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sultan/.ai/sultan-system-architecture.md
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2026-10-03 13:22:51 +02:00

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Raw Blame History

Sultan: High-Performance Distributed Ingress & ZeroTrust Service Discovery

Dieses Dokument beschreibt das vollständige Architektur-, Daten-, Netzwerk- und Anwendungsmodell des Projekts Sultan. Es dient als Kontext und Referenz für Software-Architekten und AI-gestützte Coding-Agenten (z. B. via Continue in VSCodium).


1. Executive Summary & Problemstellung

Klassische Ingress-Lösungen wie Nginx Proxy Manager (NPM) erfordern eine manuelle, GUI-basierte Konfiguration des Routings. In verteilten Umgebungen (Mehrere Proxmox-Cluster, Docker-Hosts, Bare-Metal-LAMP/Apache-Server, Kunden-Setups hinter DS-Lite/CGNAT) führt dies zu Dokumentationsbrüchen, toten Routen und hohem Wartungsaufwand.

Sultan löst dies durch eine entkoppelte, zweigeteilte Architektur:

  1. In-Service-Deklaration: Backends deklarieren ihr Routing direkt am Dienst (native Traefik-Labels in Docker oder Drop-in-Konfigurationen unter /etc/sultan.d/).
  2. Dynamische Registrierung: Ein leichtgewichtiger Agent überträgt diese Konfiguration kryptografisch gesichert über einen langlebigen, ressourcenschonenden Keepalive-Stream an den zentralen Ingress.
  3. ZeroTrust & Public Reachability: Optionale Anbindung über ein WireGuard-Mesh (z. B. NetBird), um auch Hosts ohne statische IPv4/IPv6 oder hinter NAT/Firewalls öffentlich mit TLS bereitzustellen.
  4. Integrierte Autorisierung & Monetarisierung: Mandantensichere Capability-Lizenzen via Ed25519-Kryptografie, Lease-System und automatisierte Überwachung von Lizenzfristen.

2. Netzwerkmodell (Network Model)

2.1 Topologie

[ Öffentliches Internet ]
           │
           │ HTTP (80) / HTTPS (443) / TCP-Streams
           ▼
┌────────────────────────────────────────────────────────┐
│ Ingress-Knoten (Zentrales Rechenzentrum / Public IP)   │
│                                                        │
│   ┌────────────────────────────────────────────────┐   │
│   │ Traefik v3 (Ingress / ACME DNS-01 Validierung) │   │
│   └───────────────────────▲────────────────────────┘   │
│                           │ HTTP Poll (:8080)          │
│                           │ (/v1/traefik-config)       │
│   ┌───────────────────────┴────────────────────────┐   │
│   │ Sultan-Server (Registry / Policy Engine)       │   │
│   └───────────────────────▲────────────────────────┘   │
│                           │                            │
│                           │ Control Plane:             │
│                           │ TLS-Stream (:8443)         │
│                           │ (45s Heartbeat,            │
│                           │  Instant Event Push)       │
│                           │                            │
│   ┌───────────────────────┴────────────────────────┐   │
│   │ NetBird / WireGuard Gateway (100.64.0.1)       │   │
│   └───────────────────────▲────────────────────────┘   │
└───────────────────────────┼────────────────────────────┘
                            │
              ZeroTrust WireGuard Tunnel (Traffic)
                            │
         ┌──────────────────┴──────────────────┐
         │                                     │
┌────────┴──────────────┐           ┌──────────┴─────────────┐
│ Client-Host A         │           │ Client-Host B          │
│ (Bare-Metal / LAMP)   │           │ (Docker-Compose Stack) │
│                       │           │                        │
│ ┌───────────────────┐ │           │ ┌────────────────────┐ │
│ │ sultan-agent      │ │           │ │ sultan-agent       │ │
│ │ (File-Watcher)    │ │           │ │ (Docker-Socket)    │ │
│ └───────────────────┘ │           │ └────────────────────┘ │
│ ┌───────────────────┐ │           │ ┌────────────────────┐ │
│ │ Apache / VHost    │ │           │ │ Web-Container      │ │
│ └───────────────────┘ │           │ └────────────────────┘ │
└───────────────────────┘           └────────────────────────┘

2.2 Datenfluss & Verbindungstypen

  1. Control Plane (Agent -> Server):
  • Transport: Ausgehende Verbindung vom Agenten zum Server über TCP :8443 (TLS).
  • Firewall-Freundlichkeit: Reine Outbound-Verbindung; funktioniert hinter DS-Lite, Mobilfunk, Carrier-Grade-NAT und Unternehmens-Firewalls ohne Portweiterleitung.
  • Keepalive-Mechanik: Persistenter SSE-Stream (Server-Sent Events, text/event-stream) vom Server zum Agenten. Alle 45 Sekunden ohne Event wird die SSE-Kommentarzeile :\n\n gesendet. Verhindert das Schließen von State-Tables in NAT-Routern (Conntrack Timeout). Der Agent gilt als getrennt, wenn 90 s lang nichts ankommt (auch kein Keepalive), und verbindet sich mit exponentiellem Backoff (1 s … 60 s) neu.
  • Rückkanal (Agent -> Server): Nicht über den Stream, sondern als eigene, signierte HTTPS-Requests (z. B. service_state).
  • Event-Driven Push: Änderungen an Containern (Start/Stop) oder Notfall-Sperren werden verzögerungsfrei (Latenz < 5 ms) über den bestehenden Stream übertragen.
  1. Data Plane (Traffic: Besucher -> Backend):
  • Direkt: Liegen Ingress und Backend im selben VLAN/LAN, routet Traefik direkt auf die interne LAN-IP.
  • ZeroTrust Overlay (NetBird): Sitzt das Backend im Fremdnetz/Homelab, routet Traefik auf die WireGuard-Overlay-IP (100.64.x.y). End-to-End verschlüsselt.
  1. Ingress zu Traefik:
  • Traefik pollt den lokalen Sultan-Server via HTTP-Provider: GET http://127.0.0.1:8080/v1/traefik-config.
  • Intervall: 2–5 Sekunden. Traefik verarbeitet die In-Memory-Konfiguration ohne Neustart und ohne Verbindungsabbrüche.
  • Pull, nicht Push: Traefik holt die Konfiguration ab; Sultan schreibt nie in Traefik und emuliert keinen Docker-Socket. Freigeschaltet wird das einmalig in Traefiks statischer Konfiguration (--providers.http.endpoint). Router aus Sultan heißen in Traefik <name>@http; Mischbetrieb mit dem Docker-Provider für lokale Container ist möglich (Querverweise mit Provider-Suffix, z. B. auth@docker).
  • Port 8080 ist Klartext und deshalb nur an Loopback bzw. ein internes Docker-Netz zu binden. Achtung: Traefiks eigenes API/Dashboard nutzt per Default ebenfalls 8080.

3. Sicherheits- und Vertrauensmodell

3.1 Transport-Verschlüsselung (TLS ohne CA-Zirkus)

  • Grundsatz: Kein Agent-Verkehr im Klartext. Durchgesetzt auf mehreren Ebenen:
    • Der Agent-Port :8443 wird ausschließlich per TLS bedient, nur TLS 1.3.
    • Der Agent signiert nur Requests an https-URLs; an eine http-URL geht weder Signatur noch Body.
    • Der Server authentifiziert nur Requests, die über TLS angekommen sind (sonst 426 Upgrade Required).
  • Server-Zertifikat: Wird beim ersten Start selbst erzeugt (selbstsigniert, ECDSA P-256, keine CA) und liegt dauerhaft unter <data-dir>/server.key (0600) und server.crt. Gültigkeit 20 Jahre, weil Agents den Fingerprint pinnen. Fehlt nur eine der beiden Dateien, startet der Server nicht, statt still ein neues Zertifikat zu erzeugen (das würde alle Pins brechen).
  • Fingerprint: SHA-256 über das DER-Zertifikat, Base64url ohne Padding (43 Zeichen).
  • Vertrauensmodell: Pinning am Fingerprint, unabhängig von der Adresse (statt reinem TOFU, siehe 3.4):
    • Erstkontakt: Der Fingerprint kommt aus der Einladung (3.2). Passt das Zertifikat nicht, wird abgebrochen.
    • Danach: Der Fingerprint steht als server_fingerprint in node.json und wird bei jeder Verbindung geprüft, über welche Adresse auch immer (DNS, interne IP, NetBird). Derselbe Server hat überall denselben Fingerprint, deshalb ist ein Adresswechsel gefahrlos. Ein anderer Fingerprint bedeutet einen anderen Server und erfordert ein neues Enrollment.
    • Ohne Fingerprint wird nicht verbunden (kein blindes TOFU).
    • Die Prüfung erfolgt im TLS-Handshake (crypto.PinnedTLSConfig), also bevor Token, Signatur oder Body gesendet werden. Hostname und CA werden bewusst nicht geprüft; das Pinning ist strenger.
  • Optional (geplant): Unterstützung für explizit gemountete Root-CA-Zertifikate.

3.2 Authentifizierung & Enrollment (CSR-Handshake)

  • Private Keys werden ausschließlich lokal auf dem Ziel-Host generiert (Ed25519) und verlassen diesen niemals. node.key liegt als PKCS#8-PEM mit Rechten 0600 vor, wird nie überschrieben und bei offeneren Rechten nicht geladen.
  • Authentifizierung ist in jedem Tier Pflicht – auch im community-/Homelab-Betrieb gibt es keinen Zugang ohne Ed25519-Signatur und keinen Schalter, der das abstellt.
  • Enrollment-Token: sltn_enroll_<secret>.<fingerprint>[.<server-url>]. Alle Teile sind Base64url; der Token ist ohne Quoting shell-sicher (~130 Zeichen mit URL).
    • secret: 256 Bit Zufall. Der Server speichert nur den SHA-256 von sltn_enroll_<secret>, einmalig verwendbar, mit Ablaufzeit.

    • fingerprint: Fingerprint des Server-Zertifikats (3.1). Nicht geheim; er sichert den Erstkontakt ab.

    • server-url (optional, nicht geheim): Adresse, unter der der Agent den Server erreicht.

      • Nur https://host[:port]: kein Pfad, keine Query, keine Zugangsdaten, max. 255 Zeichen.
      • Woher sie kommt: sultan server --public-url (wird im Store gemerkt) oder pro Einladung sultan token invite --server-url. So kann ein Knoten z. B. eine NetBird-Adresse bekommen.
      • Ohne Adresse entsteht der zweiteilige Token; der Agent braucht dann --server.
      • Eine manipulierte Adresse führt dank Pinning höchstens zu einem Verbindungsfehler, nie zum Versand des Secrets an einen fremden Server.
    • Der Admin überträgt den Token auf einem vertrauenswürdigen Weg (z. B. Copy-Paste aus dem Server-Terminal). Wer den Token manipulieren kann, könnte auch den Fingerprint tauschen.

    • Server-Adresse beim Agent: Beim Enrollment gilt --server/SULTAN_SERVER, sonst die URL aus der Einladung. Danach versucht der Agent in dieser Reihenfolge:

      1. --server
      2. die zuletzt funktionierende Adresse (node.json server)
      3. die Adressliste des Servers (server_urls)

      Nach jedem Verbindungsfehler wechselt er zur nächsten Adresse; eine erfolgreich genutzte wird als server gespeichert. Das ist gefahrlos, weil der Pin am Fingerprint hängt (Schritt 4).

    • Umgebungsvariablen SULTAN_TOKEN/SULTAN_SERVER statt Argumenten, z. B. für curl … | sh oder Compose. Argumente wären über ps für andere Benutzer sichtbar.

    • Eine in Compose stehen gebliebene, bereits eingelöste Einladung desselben Servers ist harmlos und wird ignoriert. Eine Einladung eines anderen Servers bei bestehender Registrierung wird abgelehnt.

  • Enrollment:
  1. Admin erzeugt den Einladungs-Token auf dem Server (sultan token).
  2. Agent zerlegt den Token, verbindet sich per TLS und prüft dabei den Server-Fingerprint gegen den Token (3.1). Erst danach pinnt er den Server.
  3. Agent generiert lokalen Key (node.key) und sendet sltn_enroll_<secret> an den Server (POST /api/v1/enroll). Der Request ist bereits mit dem neuen Schlüssel signiert (Besitznachweis); der Public Key steht im Header X-Sultan-Key.
  4. Server prüft die Signatur, löst den Token ein und legt den Knoten in einer Transaktion an. Der Mandant ergibt sich ausschließlich aus dem Token. Schlägt das Anlegen fehl, bleibt der Token gültig. Paralleles Einlösen desselben Tokens gelingt genau einmal.
  5. (Geplant) Server signiert das initiale Berechtigungszertifikat (Capability Lease).
  6. Alle künftigen Requests werden vom Agenten mit node.key signiert.
  • Request-Signatur (jeder Agent-Request inkl. Stream-Aufbau):
    • Header: X-Sultan-Key (Public Key, Base64), X-Sultan-Timestamp (Unix-Sekunden), X-Sultan-Nonce (16–64 Zeichen, pro Request neu), X-Sultan-Signature (Base64).

    • Signiert wird (zeilengetrennt): SULTAN-ED25519-V1, Methode, Pfad+Query, Timestamp, Nonce, SHA-256-Hex des Bodys.

    • Server-Prüfreihenfolge:

      1. TLS
      2. Signatur (ohne Datenbankzugriff)
      3. Zeitfenster ±5 Minuten
      4. Nonce (Replay-Schutz)
      5. erst dann Nachschlagen des Knotens per Public Key

      Gefälschte Requests kosten so keinen DB-Zugriff und können keine Nonces verbrauchen.

    • Die Knoten-ID wird ausschließlich aus dem geprüften Schlüssel abgeleitet, nie aus einer Angabe des Clients.

    • Body-Limit 1 MiB.

    • Fehler-Mapping: 401 (nicht authentifiziert, Replay, Zeitabweichung), 403 (gesperrt), 413 (Body zu groß), 426 (kein TLS); Infrastrukturfehler 500.

  • Sperren: Die Authentifizierung sperrt nur Mandanten im Status quarantined. Zahlungsverzug, Ablauf und gedrainte Knoten regelt die Policy-Engine über das Routing (5.2). Der Agent behält den Kanal, z. B. für lease_renew oder eine Reaktivierung. Für Entzug zur Laufzeit trennt der Server bestehende Streams aktiv (Hub.Disconnect).

3.3 Autorisierung & Domain-Ownership-Schutz

Jeder Payload vom Agenten an den Server muss vom Server gegen die zugewiesene Policy geprüft werden:

  • Domain Spoofing Protection: Beansprucht ein Agent ein Label Host('kunde.de'), prüft der Server, ob kunde.de im Feld allowed_domains der Mandanten-Lizenz hinterlegt ist. Falls nicht: Ablehnung mit Sicherheits-Audit-Log.
  • Route Limits: Übersteigt die Anzahl der deklarierten Routen das Limit (max_routes), werden überzählige Routen verworfen (deterministisch: nach Router-Namen sortiert, die hinteren fallen weg).

Umsetzung in pkg/policy. Jeder Verstoß entfernt nur den betroffenen Router und wird als Violation (Audit-Log) gemeldet:

  • Regel-Analyse statt Textsuche: Traefik-Regeln werden geparst (Matcher, &&, ||, !, Klammern).
    • Jeder ||-Zweig muss durch Host(...) eingeschränkt sein. Host(`kunde.de`) || PathPrefix(`/`) würde sonst den Verkehr aller Mandanten abgreifen.
    • Negierte Hosts schränken nicht ein.
    • HostRegexp ist nicht erlaubt, weil sich ein Regex nicht gegen allowed_domains prüfen lässt.
  • Namensraum: Router, Services und Middlewares heißen in der ausgelieferten Konfiguration <tenant>__<node>__<name>.
    • Mandanten können sich damit weder überschreiben noch gegenseitig referenzieren.
    • IDs: alphanumerisch mit -/_, nicht am Rand, kein __.
    • Das Präfix sultan__ und die Mandanten-ID sultan sind reserviert.
  • Fremde Provider: Referenzen mit @ (z. B. api@internal = Traefik-Dashboard) sind verboten, außer sie stehen in einer Freigabeliste des Admins (z. B. auth@file).
  • Middleware-Ziele begrenzen (geplant): Middlewares mit eigenem Netzwerkziel (z. B. forwardAuth, Redirects auf andere Hosts) sollen auf das eigene Backend des Dienstes beschränkt werden können.
    • Grenze: das Tupel ip:port, [ipv6]:port bzw. fqdn:port, eventuell plus höchstens ein Pfadsegment.
    • Redirect/Auth auf einen Host derselben Zone (z. B. acronym.meine.home.lab → acronym-service.meine.home.lab) soll möglich bleiben, um Zertifikate zu erleichtern.
    • Aktivierung per Label; zunächst im Beobachtungsmodus (nur Audit-Log, keine Sperre).
    • Zunächst werden nur die mitgelieferten Redirects (to-www/to-non-www) angeboten; alles andere wird geduldet.
    • Umgesetzt ist die Andockstelle policy.Engine.MiddlewareTargetCheck(mwName, def, backend):
      • nil (Default): alles dulden
      • mit Prüffunktion und EnforceMiddlewareTargets = false: Verstoß nur melden (Observed)
      • mit true: Router entfernen
    • Regeln und Label-Name folgen später.
  • Middleware-Gates:
    • Ohne Feature custom_middleware sind nur Basistypen erlaubt: redirectScheme, redirectRegex, stripPrefix(Regex), addPrefix, replacePath(Regex), compress, headers.
    • chain und errors sind immer verboten, weil sie per Namen auf andere Middlewares/Services verweisen und den Namensraum umgehen könnten.
  • Nicht referenzierte Services/Middlewares werden nicht ausgeliefert.

3.4 Bedrohungsmodell: Erstkontakt (TOFU) und Server-Events

  • Schwäche von reinem TOFU: Beim ersten Kontakt wird ungeprüft vertraut. Ein Angreifer im Netzwerkweg (ARP-Spoofing im LAN, DNS-Manipulation, kompromittierter Router, offenes WLAN) würde dauerhaft gepinnt. Er könnte damit:
    • den Enrollment-Token abgreifen und mit eigenem Schlüssel zuerst einlösen,
    • sich dauerhaft dazwischenschalten (der echte Server gilt danach als „Fälschung“),
    • unsignierte Server-Events (node_command, lease_renew) einschleusen.
  • Gegenmaßnahme (umgesetzt): Der Fingerprint ist im Enrollment-Token eingebettet (3.1/3.2). Damit gibt es keinen ungeprüften Erstkontakt mehr. Ein Angreifer scheitert im TLS-Handshake und sieht weder Token noch Signatur; der Token bleibt beim echten Server einlösbar.
  • Betriebsrisiko: Ein Verlust von <data-dir>/server.key erzeugt ein neues Zertifikat und sperrt alle Agents aus. Deshalb muss server.key gesichert werden. (Geplant:) geordneter Zertifikatswechsel, bei dem der Server das neue Zertifikat vorab über den gepinnten Kanal ankündigt.
  • Zweite Schicht (umgesetzt, Schritt 2): Jedes Server→Agent-Event ist mit dem Master-Key signiert (signature, Präfix SULTAN-EVENT-V1, über alle übrigen Felder inkl. event_id, timestamp, node_id). Der Agent kennt den Public Key seit dem Enrollment (node.json) und verwirft Events ohne gültige Signatur. Die Echtheit von node_command hängt damit nicht mehr allein am TLS-Pin.

4. Datenmodell (Data Specifications)

4.1 Lizenz & Capabilities (license.json)

{
  "$schema": "http://json-schema.org/draft-07/schema#",
  "title": "SultanCapabilities",
  "type": "object",
  "properties": {
    "tenant_id": { "type": "string" },
    "tier": { "type": "string", "enum": ["community", "pro", "enterprise"] },
    "max_routes": { "type": "integer", "description": "-1 für unbegrenzt" },
    "allowed_domains": {
      "type": "array",
      "items": { "type": "string" }
    },
    "features": {
      "type": "array",
      "items": { "type": "string", "enum": ["websockets", "tcp_stream", "custom_middleware"] }
    },
    "valid_until": { "type": "string", "format": "date-time" },
    "signature": { "type": "string", "description": "Ed25519 Signatur des Server-Master-Keys über den Payload" }
  },
  "required": ["tenant_id", "tier", "max_routes", "allowed_domains", "valid_until", "signature"]
}

  • Signatur: Ed25519 mit dem Server-Master-Key.
    • Signiert wird SULTAN-LICENSE-V1\n + JSON der Felder in fester Reihenfolge (tenant_id, tier, max_routes, allowed_domains, features, valid_until).
    • valid_until geht als RFC 3339 in UTC mit ganzen Sekunden ein.
    • Jede Änderung eines Felds, auch die Reihenfolge der Domains, macht die Signatur ungültig.
    • Das Präfix trennt Lizenz-Signaturen von künftigen anderen Nutzungen desselben Master-Keys (z. B. signierte Server-Events, 3.4).
  • Einlesen: Unbekannte Felder werden abgelehnt; features fehlt → leere Liste.
  • allowed_domains: Kleinbuchstaben, ohne Punkt am Ende, IDN als Punycode (xn--…).
    • shop.de deckt genau shop.de.
    • *.firma.de deckt jede Subdomain beliebiger Tiefe, aber nicht firma.de selbst.
    • Wildcards nur ganz vorne; *.de (Wildcard auf TLD) und * sind unzulässig.
  • Ablauf: Der Zeitpunkt valid_until selbst gilt als abgelaufen. „Verbleibende Tage“ (Checkmk) = abgerundete volle Tage, nach Ablauf negativ.
  • Routen: max_routes = -1 bedeutet unbegrenzt.

4.1a Leases (Entscheidung 2026-10-01)

  • Eine Lease ist eine kurzlaufende, signierte Kopie der Lizenz (gleiches Format, eigenes valid_until). Sie ist der „Ausweis“, mit dem ein Knoten Routen bekommt.
  • Kommerziell: Laufzeit 7 Tage, Erneuerung nach rund 2/3 (ab Tag 4–5); bei Wartung/Baustelle 10 Tage, Erneuerung ab Tag 5. Angelehnt an ACME (90 Tage, Erneuerung nach ~60). Die Lease endet spätestens mit dem bezahlten Abo-Zyklus (valid_until der Lizenz).
  • Community: Laufzeit max. 14 Tage, Erneuerung nach ca. 7 Tagen mit zufälliger Streuung (damit nicht alle Agents gleichzeitig erneuern). Der Server stellt Lizenz und Lease selbständig neu aus (re-license). Es gibt kein Mahnwesen.
    • Eine Wartung des Servers darf damit bis zu 7 Tage dauern: Bis die Lease abläuft, wird nichts invalidiert, keine Authentifizierung, keine Policy, keine Route.
    • Ist das Backend in dieser Zeit nicht erreichbar, zeigt der Lander eine 50x-Seite („geht gerade nicht …“) mit Hinweis auf den Pro-Service.
  • Umsetzung (Schritt 2):
    • Lease-Dokument: Lizenzfelder plus node_id, issued_at, renew_after, valid_until, signiert mit dem Master-Key unter dem Präfix SULTAN-LEASE-V1 (gilt nie als Lizenz und umgekehrt).
    • Community: 14 Tage, Erneuerung nach 7 Tagen ± 12 h Streuung. Kommerziell: 7 Tage (10 bei Wartung), Erneuerung nach 2/3, gekappt am Vertragsende; nach Vertragsende keine Lease.
    • Der Server stellt beim Verbinden aus bzw. erneut zu und erneuert bei jedem Refresh ab renew_after (lease_renew).
    • Der Agent prüft die Signatur, legt lease.json ab und protokolliert. Weitere Folgen hat das beim Agent vorerst nicht; ein Checkmk-Check auf Kundenseite ist vorgesehen.
    • Wirkung serverseitig: Ein getrennter Knoten behält seine Routen als Wartungsseite, bis die Lease abläuft.
    • sultan server --lease-duration (Konfigurationsfeld LeaseDuration) erzwingt eine feste Laufzeit, für Tests und Sonderfälle.
  • Unterbrechung jederzeit serverseitig möglich: Agent und Traefik pollen bzw. halten den Stream, also wirkt eine Unterbrechung sofort (Hub.Disconnect, keine Erneuerung, Policy-Stufe).
    • Gründe: Security-Breach, DDoS, Domain-Verstoß.
    • Nur kommerziell zusätzlich: Verstoß gegen Nutzungsrichtlinien (z. B. strafbare Inhalte), Zahlungsausfall, unterbrochenes Abo.
  • Eskalation (nur kommerziell), analog zu Mahnstufen: Karenzzeit mit Wasserzeichen → Firemark → Paywall-Landingpage („Kauf mich!“), siehe Stufen in 5.2.

4.1b Agent-Konfiguration /etc/sultan.d/*.yaml (umgesetzt 2026-10-02)

  • Format: YAML, eine oder mehrere Dateien *.yaml/*.yml (Verzeichnis per --config-dir, Default /etc/sultan.d, none = aus). Unbekannte Felder sind Fehler.
services:
  - name: kunde-a                     # a–z, 0–9, - und _ (Router-/Service-Name)
    url: https://127.0.0.1:8443/      # lokaler Dienst; sein Port gilt auch für den Ingress
    hosts: [kunde-a.de]               # keine Wildcards
    https: true                       # Router auf websecure mit TLS
    certresolver: dns-resolver        # optional
    entrypoints: [websecure]          # optional, Default websecure (https) bzw. web
    redirect_http_to_https: true      # zweiter Router auf web mit redirectScheme (nur mit https)
    redirect_www: to_non_www          # none | to_www | to_non_www
    maintenance: false                # true = Dienst in Wartung (Wartungsseite)
    maintenance_public_reason: ""     # optional, ersetzt den Standardtext
    healthcheck:                      # optional
      url: https://127.0.0.1:8443/    # Default: url des Dienstes
      interval: 30s                   # Default 30s
      timeout: 5s                     # Default 5s
      failures: 2                     # Fehlschläge in Folge bis "down", Default 2
      expect_status: 200              # Default 200
      expect_title: "KundeA - Willkommen"            # optional, exakter <title> (Leerraum normalisiert)
      expect_contains: { tag: h2, text: Impressum }  # optional, Element enthält Text
    labels:                           # optional: rohe traefik.*-Labels, überschreiben die erzeugten
      traefik.http.middlewares.kunde-a-www.redirectregex.permanent: "false"
  • Übersetzung in Traefik-Labels (danach gelten dieselben Regeln wie für Docker: FromLabels, Policy, Namensraum):
    • Workload-Name sultan.d/<name>; Router und Service heißen <name>.
    • Backend: <backend-host>:<port der url>; https-URL → loadbalancer.server.scheme=https. Ohne Port 80/443.
    • redirect_www:
      • Middleware <name>-www (redirectRegex, permanent), z. B. ^https?://www\.(kunde-a\.de)(.*) → https://${1}${2}.
      • Die jeweils fehlende Variante (www./ohne) wird automatisch in die Hosts aufgenommen, sonst käme die Anfrage nie beim Router an.
      • Die Policy prüft beide Varianten gegen allowed_domains.
    • redirect_http_to_https: Router <name>-http auf web mit Middleware <name>-https (redirectScheme https, permanent).
  • Healthcheck → Wartungsseite:
    • Der Agent prüft regelmäßig Status, optional <title> und ein Element mit Text. Das ist ein einfacher Textabgleich ohne HTML-Bibliothek.
    • Nach failures Fehlschlägen in Folge gilt der Dienst als down, nach einem Erfolg wieder als up (gegen Flattern).
    • Ausgefallene Dienste stehen in down_services; die Policy leitet ihre Router auf maintenance um (503 über den Interceptor).
  • Änderungen: Das Verzeichnis wird per Polling geprüft (Default alle 5 s, Inhaltsvergleich), nicht per inotify. Polling ist zuverlässig auch bei Docker-Bind-Mounts und atomar ersetzten Dateien und braucht keine Abhängigkeit.
    • Bei Änderungen werden die Dienste neu geladen, Healthchecks neu gestartet und der Zustand gesendet.
    • Eine fehlerhafte Datei oder ein doppelter Dienstname wird mit Warnung übersprungen; die übrigen Dateien bleiben aktiv.
  • Backend-Adresse/NetBird: wie bei Docker (--backend-host, --backend-interface, sonst automatisch).

4.2 Stream Event Protocol (Agent <-> Server)

Beide Richtungen nutzen dasselbe JSON-Event-Format. Server→Agent läuft über den SSE-Stream; jedes Event ist ein SSE-Rahmen id: <event_id>, event: <type>, data: <JSON in einer Zeile>, gefolgt von einer Leerzeile (max. 1 MiB). Agent→Server läuft über signierte HTTPS-Requests. node_id setzt der Server immer selbst aus der geprüften Identität.

{
  "event_id": "evt_01J8Z9X2Y3...",
  "timestamp": 1727618531,
  "type": "service_state | lease_renew | node_command | error",
  "node_id": "node-proxmox-vm-42",
  "payload": {}
}

  • Typ service_state (Agent -> Server): Enthält die vollständige Liste der aktuell aktiven Traefik-Labels des Knotens.

  • Typ node_command (Server -> Agent): Payload {command, reason}, feste Liste:

    • resync: Agent sendet sofort seinen Zustand.
    • rotate_key: Agent legt node.key.new an und meldet ihn (POST /api/v1/rotate-key). Erst nach Erfolg wird umbenannt. Ein Abbruch wird beim nächsten Start sicher abgeschlossen: Lehnt der Server den alten Schlüssel ab, wird mit dem neuen wiederholt.
    • drain, maintenance, resume: Hinweise, der Agent protokolliert nur.
    • config: Adressliste des Servers (server_urls), wird beim Verbinden direkt gesendet (nicht über die Warteschlange). Der Agent übernimmt nur gültige https-Adressen nach node.json.

    Die CLI reiht Befehle in node_commands ein, der Server stellt sie beim Verbinden und bei jedem Refresh zu.

  • Typ lease_renew (Server -> Agent): Liefert ein verlängertes Krypto-Lease an den Agenten zurück.

4.3 SQLite Datenbankschema (Server State)

Der Server persistiert Mandanten, Tokens und Richtlinien lokal in SQLite (<data-dir>/sultan.db, Default-Datenverzeichnis ./suldata).

  • Treiber: modernc.org/sqlite (reines Go, kein cgo → statisches Single Binary).
  • Pragmas: foreign_keys=ON (sonst greift ON DELETE CASCADE nicht), WAL, busy_timeout, Schreib-Transaktionen IMMEDIATE.
  • Migrationen: Versioniert über PRAGMA user_version, nur anhängen. Eine Datenbank mit neuerer Version als das Programm wird abgelehnt.
  • Zeitstempel: Die Anwendung setzt sie selbst (keine CURRENT_TIMESTAMP-Defaults), als UTC-Text fester Breite (2006-01-02T15:04:05.000000000Z). Dadurch funktionieren Vergleiche direkt in SQL.
  • Tokens: Gespeichert wird nur der SHA-256-Hash.
  • Migration v2: Tabelle settings (key TEXT PRIMARY KEY, value TEXT NOT NULL) für Server-Einstellungen, die auch sultan token braucht (derzeit public_url).
  • Migration v3: Wartung pro Knoten – nodes.maintenance_since, maintenance_until (NULL = unbefristet), maintenance_reason, maintenance_public_reason.
  • Migration v5: Tabelle notifications (key, sent_at) für „jedes Ereignis genau einmal“.
  • Migration v4:
    • Tabelle leases (node_id, issued_at, renew_after, valid_until, document)
    • Tabelle node_commands (id, node_id, command, reason, created_at, sent_at)
    • tenants.features (JSON) und tenants.payment_overdue_since; daraus Lizenz-Features bzw. Mahnstufe
    • enrollment_tokens.used_at

Schema (Stand Migration v1):

-- Mandanten & Abonnements
CREATE TABLE tenants (
    id TEXT PRIMARY KEY,
    name TEXT NOT NULL,
    email TEXT NOT NULL,
    tier TEXT NOT NULL DEFAULT 'community',
    max_routes INTEGER NOT NULL DEFAULT 5,
    allowed_domains TEXT NOT NULL, -- JSON-Array: ["*.firma.de", "shop.de"]
    valid_until DATETIME NOT NULL,  -- Ablaufdatum des Vertrags / Abos
    status TEXT NOT NULL DEFAULT 'active', -- active, suspended_payment, quarantined, expired
    created_at DATETIME NOT NULL,  -- von der Anwendung gesetzt (UTC-Text)
    updated_at DATETIME NOT NULL
);

-- Registrierte Agenten / Knoten
CREATE TABLE nodes (
    id TEXT PRIMARY KEY,
    tenant_id TEXT NOT NULL REFERENCES tenants(id) ON DELETE CASCADE,
    hostname TEXT NOT NULL,
    public_key TEXT NOT NULL UNIQUE, -- Ed25519 Public Key des Agenten
    last_seen DATETIME NOT NULL,
    ip_address TEXT NOT NULL,
    status TEXT NOT NULL DEFAULT 'online' -- online, offline, drained
);
CREATE INDEX nodes_tenant_id ON nodes(tenant_id);

-- Einmalige Enrollment-Tokens
CREATE TABLE enrollment_tokens (
    token_hash TEXT PRIMARY KEY,
    tenant_id TEXT NOT NULL REFERENCES tenants(id) ON DELETE CASCADE,
    expires_at DATETIME NOT NULL,
    used INTEGER NOT NULL DEFAULT 0
);
CREATE INDEX enrollment_tokens_tenant_id ON enrollment_tokens(tenant_id);


5. Anwendungsmodell (Application Model)

Das gesamte System ist als Single-Binary-Architektur in Go implementiert:

sultan
├── server    # Führt Registry, Stream-Hub, Policy-Engine & Traefik-Provider aus
├── agent     # Führt Docker-/File-Watcher aus und verbindet sich zum Server
└── token     # CLI-Tools zur Schlüsselverwaltung, Enrollment- & Lizenzausstellung

Umsetzung: main.go ist eine dünne Hülle (Signale → pkg/cli.Run); pkg/cli parst Befehle und Flags; pkg/server verdrahtet Store, Zertifikat, Master-Key, Hub, Verifier, Registry und Policy.

Datenverzeichnis: Default ./suldata (relativ zum Arbeitsverzeichnis), für Server und Agent; per --data-dir änderbar. Es wird mit Rechten 0700 angelegt und enthält Schlüssel. Es gehört gesichert und nie ins Git (steht in .gitignore).

sultan server – Flags und Defaults:

Flag Default Bedeutung
--data-dir ./suldata sultan.db, server.key/server.crt, master.key
--agent-addr :8443 Agent-Port, nur TLS 1.3
--public-url (mehrfach) – Adressen, unter denen Agents den Server erreichen (z. B. öffentlich und NetBird); werden im Store gemerkt (settings.public_urls). Die erste steckt in Einladungen; die ganze Liste bekommen Agents beim Verbinden per config-Befehl
--provider-addr 127.0.0.1:8080 Traefik-Provider, Klartext. Bewusst Loopback, weil die Konfiguration Backend-IPs aller Mandanten enthält. Im Container :8080 setzen und nur auf 127.0.0.1 veröffentlichen.
--lander-addr 127.0.0.1:8081 eingebauter Lander; none = aus (externer Lander)
--interceptor-url Adresse des Landers URL, unter der Traefik den Lander erreicht
--hoster-name, --hoster-url, --pro-url – Texte und Links der Lander-Seiten
--notify-slack, --notify-ntfy (mehrfach), --notify-ntfy-token – Benachrichtigungsziele
--offline-alert-after 15m Alarm/CRIT für getrennte Knoten
--lease-duration 0 (je Tier) feste Lease-Laufzeit (Tests, Sonderfälle)
--enroll-limit 10 Enrollment-Versuche pro Minute und Client-IP, gleitendes Fenster; darüber 429 mit Retry-After; -1 = unbegrenzt. Geprüft vor der Signaturprüfung

Umgebungsvariablen: Jedes Flag von server, agent und token ist auch als SULTAN_<FLAG> setzbar (--public-url → SULTAN_PUBLIC_URL, --notify-ntfy-token → SULTAN_NOTIFY_NTFY_TOKEN, --data-dir → SULTAN_DATA_DIR).

  • Listen sind kommagetrennt.
  • Flags gewinnen; bei Listen ersetzt ein Flag den Wert aus der Umgebung, statt ihn zu ergänzen.
  • Die Hilfe (--help) nennt zu jedem Flag die Variable; fehlerhafte Werte werden mit dem Variablennamen gemeldet.
  • Geheimnisse wie SULTAN_NOTIFY_NTFY_TOKEN oder SULTAN_TOKEN gehören in die Umgebung statt auf die Befehlszeile (dort per ps sichtbar). | --refresh | 1m | Neubewertung aller Knoten (zeitabhängige Stufen, Mandantenänderungen) |

HTTP-Routen des Servers:

Port Route Zweck
Agent (TLS) POST /api/v1/enroll Body {token, node_id, hostname}, signiert mit neuem Schlüssel → 201 {node_id, tenant_id, master_public_key}; Token ungültig/verbraucht/abgelaufen → 403 ohne Details; ID/Schlüssel vergeben → 409
Agent (TLS) GET /api/v1/stream SSE-Stream (signiert); Stream offen = Knoten online
Agent (TLS) POST /api/v1/maintenance Body {enabled, duration ("" = 4h, "0" = unbefristet), reason, public_reason} → 204; wirkt sofort
Agent (TLS) POST /api/v1/rotate-key Body {public_key, proof}, signiert mit dem bisherigen Schlüssel; proof = Signatur des neuen Schlüssels über SULTAN-ROTATE-V1\n<node_id>\n<public_key> (an die Knoten-ID gebunden). Idempotent: ist der neue Schlüssel schon aktiv, ebenfalls 204
Agent (TLS) POST /api/v1/state vollständiger Schnappschuss {workloads: [{name, host, labels}], down_services}; nur bei offenem Stream (sonst 409) → 204
Provider GET /v1/traefik-config ?format=json|yaml
Provider GET /healthz Lebenszeichen
Provider GET /metrics/checkmk Checkmk Local Checks (6.1)

sultan token – Verwaltung (Community-Weg; kommerziell zusätzlich Admin-API, geplant): arbeitet direkt auf dem Datenverzeichnis des Servers, auch während er läuft (SQLite/WAL).

Befehl Wirkung
tenant add --id --name --email --domains [--tier community] [--max-routes 5] [--valid-until +1 Jahr] [--features …] Mandant anlegen; Domains werden wie in der Lizenz normalisiert und geprüft; Features fließen in Lizenz, Lease und Policy
tenant list / tenant set-status --id --status / tenant delete --id Anzeigen, Status setzen (wirkt beim nächsten Refresh), Löschen inkl. Knoten und Einladungen
invite --tenant [--ttl 24h|7d] [--server-url] Einladung sltn_enroll_<secret>.<fingerprint>[.<server-url>]; Adresse aus --server-url oder der gemerkten --public-url; stdout enthält nur den Token, Hinweise auf stderr
node list [--tenant] Knoten mit Status und Wartung (bis …, unbefristet, abgelaufen)
node maintenance --id [--for 4h|0] [--reason] [--public-reason] Wartung anmelden (wirkt beim nächsten Refresh, ≤ 1 min)
node drain --id / node resume --id / node delete --id drain; resume beendet Wartung und drain (online setzt erst der Stream). drain/maintenance/resume schicken dem Agenten zusätzlich einen Hinweis
node command --id --cmd resync|rotate_key [--reason] Befehl in die Warteschlange; Zustellung beim nächsten Refresh bzw. Verbinden
license issue --tenant signierte license.json (Master-Key) auf stdout
purge verbrauchte und abgelaufene Einladungen löschen
  • Ein nicht initialisiertes Datenverzeichnis wird nie angelegt. Ein Tippfehler bei --data-dir würde sonst eine neue Server-Identität erzeugen, und alle damit ausgestellten Einladungen hätten einen falschen Fingerprint.
  • Exit-Codes: 0 ok, 1 Fehler, 2 Bedienfehler.

Wartung vom Knoten aus: sultan agent maintenance on|off [--for 4h|0] [--reason] [--public-reason] meldet die Wartung signiert beim Server an (z. B. in Patch- oder Reboot-Skripten). Der laufende Agent wird dafür nicht benötigt.

Lebenszyklus eines Knotens:

  • Enrollment legt ihn offline an.
  • Stream verbunden → online.
  • Stream verbunden → Lease ausstellen bzw. zustellen, ausstehende Befehle zustellen.
  • Stream getrennt → offline. Die Routen bleiben als Wartungsseite stehen, solange eine Wartung angemeldet ist oder die Lease gilt; danach werden sie entfernt (Prüfung bei jedem Refresh). drain entfernt sie sofort.
  • drained bleibt bei beidem unverändert.

Der Agent muss deshalb nach jedem (Wieder-)Verbinden seinen Zustand erneut senden.

5.1 Agenten-Subsysteme

Umsetzung (pkg/agent, pkg/docker, sultan agent), Teil 1:

Flag Default Bedeutung
--server / SULTAN_SERVER – Override der Server-Adresse; sonst aus der Einladung bzw. node.json
--token / SULTAN_TOKEN – Einladung, nur beim ersten Start
--data-dir ./suldata node.key (0600), node.json (inkl. server_fingerprint)
--node-id aus dem Hostnamen z. B. Proxmox-VM.42 → proxmox-vm-42
--docker-socket /var/run/docker.sock none = ohne Docker
--backend-host / --backend-interface automatisch siehe Backend-Adresse
  • Enrollment:
    1. Der Agent erzeugt node.key und prüft den Server gegen den Fingerprint aus der Einladung.
    2. Er löst die Einladung ein und speichert node.json (Adresse, server_fingerprint, Knoten-ID, Mandant, Master-Public-Key).
    3. Danach ist kein Token mehr nötig.
    4. Adresswechsel desselben Servers sind erlaubt und werden gespeichert. Ein anderer Server erfordert ein neues Enrollment (Datenverzeichnis leeren).
  • Zustand senden: vollständiger Schnappschuss an POST /api/v1/state.
    • Ausgelöst wird er nach jedem (Wieder-)Verbinden des Streams (der Server hat die Routen beim Trennen entfernt) und bei jedem Docker-Event.
    • Mehrere Auslöser werden über ein kurzes Sammelintervall gebündelt (Default 500 ms).
    • Schlägt die Docker-API fehl, wird nichts gesendet, sonst würden alle Routen entfernt. Ohne Docker-Socket (Bare-Metal) ist der Zustand leer.
  • Port-Übersetzung: Der Ingress sitzt auf einem anderen Host. Deshalb wird loadbalancer.server.port (Port im Container) auf den veröffentlichten Host-Port umgerechnet.
    • Fehlt das Port-Label, gilt wie bei Traefiks Docker-Provider der einzige veröffentlichte Port.
    • Ohne Service-Labels entsteht ein Service mit dem Containernamen.
    • Container, deren Port von außen nicht erreichbar ist (nicht veröffentlicht, nur auf 127.0.0.1/::1, nur UDP), werden mit Warnung weggelassen.
    • Es werden nur Container mit traefik.enable=true gemeldet.
  • Gestoppt vs. entfernt: Der Agent listet auch gestoppte Container (/containers/json?all=1).
    • Gestoppt (docker stop, Absturz, restarting, paused, created): Der Container wird weiter gemeldet, seine Services stehen in down_services → Wartungsseite (503) statt 404. Die Ports stammen aus HostConfig.PortBindings (die Liste nennt bei gestoppten Containern keine Ports).
    • Entfernt (docker rm, docker compose down): Die Route verschwindet – bewusstes Abschalten.
    • Teilt ein gestoppter Container Router- oder Service-Namen mit einem laufenden (z. B. alte Kopie), entfällt der gestoppte.
  • Backend-Adresse, in dieser Reihenfolge:
    1. --backend-host
    2. IP von --backend-interface (z. B. wt0)
    3. automatisch die lokale IP, über die der Server erreicht wird
  • Docker: minimaler Client für die Engine API über den Unix-Socket, ohne Docker-SDK (nur GET /containers/json und GET /events). Events werden mit Backoff neu abonniert; nach jedem Neuaufbau wird der Zustand neu gesendet.
  • Server-Events (node_command, lease_renew) werden bisher nur protokolliert.
  1. Watcher Engine:
  • Docker Engine: Lauscht am /var/run/docker.sock via Docker Events API. Filtert nach Labels mit Präfix traefik..
  • File Provider: liest /etc/sultan.d/*.yaml (Format 4.1b) per Polling, inkl. Healthchecks – umgesetzt (Teil 2).
  1. State Serializer:
  • Extrahiert Services, Host-Ports und Routen.
  • Injiziert automatisch die Ziel-IP (LAN-IP oder NetBird-IP) in die Server-URL-Definitionen für Traefik.
  1. Transport Engine:
  • Verwaltet den permanenten TLS-Stream mit 45s-Keepalive.
  • Führt automatischen Reconnect mit exponentiellem Backoff durch.

5.2 Server-Subsysteme

  1. Stream Hub:
  • Hält offene Sockets aller Agents im RAM.
  • Verarbeitet State-Pushes und führt Dead-Node-Detection durch (Timeout: 90s).
  1. Dynamic Config Aggregator:
  • Führt die flachen Traefik-Labels aller aktiven Knoten zusammen.
  • Wandelt die Labels in das verschachtelte Traefik-JSON-Format um.
  • Stellt GET /v1/traefik-config bereit.
  1. Policy & Interception Engine:
  • Sperrung bei Zahlungsverzug: Modifiziert den Traefik-Router auf einen internen Redirect zu einer Bezahlseite (HTTP 402 / Payment Required).

  • Notfall-Wartung: Schlägt das Backend fehl oder meldet der Agent service_down, liefert Traefik eine statische Statusseite mit Retry-After: 60 (HTTP 503).

  • Stufen (pkg/policy.StageFor), Reihenfolge der Prüfung:

    Bedingung Stufe Wirkung
    Status quarantined blocked keine Routen
    Status expired oder Lizenz abgelaufen landing Informations-Landingpage
    Tier community normal kein Mahnwesen
    Status suspended_payment oder Mahnstufe ≥ 3 paywall Kunde ist offline: freundliche Einladung des Hosters, den Sultan-Service und weitere Angebote kennenzulernen (402), kein Durchlass
    Mahnstufe 2 firemark Hinweisseite, dann Weiterleitung zum Original (längere Wartezeit)
    Mahnstufe 1 watermark Hinweisseite, dann Weiterleitung zum Original (kurze Wartezeit)
    Healthcheck meldet Dienst down maintenance (je Router) 503, Retry-After: 60
  • Sultan-Interceptor / Web-Lander (pkg/lander, läuft im Server-Prozess auf --lander-addr, Default 127.0.0.1:8081): Bei jeder Stufe außer normal leitet die Policy den Router auf den Service sultan__interceptor um. Die Interceptor-URL folgt automatisch der gebundenen Lander-Adresse; mit --lander-addr=none und --interceptor-url lässt sich ein externer Lander nutzen.

    • Regel, TLS und die Middlewares des Mandanten bleiben erhalten.
    • Ein headers-Middleware setzt X-Sultan-Stage, X-Sultan-Tenant und X-Sultan-Tier. Traefik überschreibt damit vom Besucher gesendete Werte.
    • Der Lander liefert nur eine eigene HTML-Seite je Stufe. Er verändert keine Originalseiten und braucht deshalb kein Upstream.
  • Mahnhinweis mit Durchlass (watermark/firemark):

    1. Der Lander zeigt den Hinweis und leitet per <meta http-equiv="refresh" content="<x>;url=<ursprüngliche URL>"> zurück. Wartezeit konfigurierbar, Default 5 s (Stufe 1) und 10 s (Stufe 2).
    2. Dabei setzt er das Cookie sultan_ack=<stufe> auf der Mandanten-Domain, gültig 60 Minuten (durchschnittlicher Besuch). Der Hinweis darf also mehrmals am Tag erscheinen.
    3. Die Policy erzeugt dafür einen zweiten Router sultan__<tenant>__<node>__<router> mit der Regel (<Originalregel>) && HeaderRegexp(`Cookie`, `(^|;\s*)sultan_ack=<stufe>(;|$)`). Er führt direkt zum Original, sonst würde die Weiterleitung wieder beim Lander landen (Schleife).
    4. Priorität: Ohne gesetzte Priorität gewinnt der Durchlass über die längere Regel, sonst über Priorität+1.
    5. Eine bestätigte niedrigere Stufe gilt nicht für eine höhere.
    6. Das Cookie ist bewusst kein Sicherheitsmerkmal: Wer es selbst setzt, überspringt nur den Hinweis. paywall, landing und maintenance haben keinen Durchlass.
  • Eskalation in der Praxis: Bei Stufe 1 und 2 alarmiert Checkmk. Zwei Alarme genügen; spätestens mit Stufe 3 ist der Kunde offline.

  • Lander-Seiten (umgesetzt):

    Stufe Status Inhalt
    watermark / firemark 200 Hinweis, meta refresh nach 5 / 10 s, Cookie sultan_ack=<stufe> (60 min, HttpOnly, SameSite=Lax, Secure hinter HTTPS)
    paywall 402 Kunde offline, freundliche Einladung des Hosters (--hoster-name, --hoster-url)
    landing 402 Hosting abgelaufen, Einladung des Hosters
    maintenance 503, Retry-After: 60 „Gleich wieder da“; Community zusätzlich mit Pro-Hinweis (--pro-url)
    • Eingebaut: je Stufe eine minimale HTML-Seite ohne CSS, Text auf Deutsch und Englisch auf derselben Seite, noindex, Cache-Control: no-store. Alle Methoden (auch POST) bekommen die Seite.
    • Weiterleitungsziel nur lokal: Pfad+Query des Requests. Ziele wie //fremd.example oder mit \ werden zu /; es gibt keine Hosts und keine Schemata. Grund: html/template lässt im content von meta refresh auch javascript: durch, und //host wäre eine offene Weiterleitung.
    • Eigene Vorlagen: <data-dir>/landing/<stufe>.html (Go html/template), optional <stufe>.css und <stufe>.svg/.webp (je ≤ 512 KiB).
      • CSS und Grafik werden eingebettet ({{.CSS}}, {{.Image}} als data:-URI). Bei Mahnstufe 1/2 ist das Cookie schon gesetzt, ein separater Asset-Request ginge über den Durchlass-Router ans Kunden-Backend.
      • Änderungen wirken sofort (Neuladen bei geänderter Größe/Zeitstempel).
      • Eine fehlerhafte Vorlage führt zurück zur eingebauten Seite und wird protokolliert.
    • sultan dump-landing [--out ./suldata/landing] [--force] schreibt die eingebauten Seiten plus README.txt (alle Template-Werte) als Ausgangspunkt.
  • Begriffe – maintenance vs. drain (Festlegung 2026-10-02):

    maintenance – „bin gleich wieder da“ drain – „gebe meine Arbeit ab“
    Routen bei Traefik bleiben, zeigen 503 (Lander) werden entfernt
    Besucher sehen Wartungsseite mit Retry-After anderen Knoten, falls einer die Domain bedient, sonst 404
    Dauer befristet (Default 4 h, --for) bis resume
    Anlass Patchen, Reboot, Migration, Sicherheitsupdate Umzug, Abbau, Lastverteilung
    Knoten darf sich trennen (Reboot) – Routen bleiben als Wartungsseite stehen bleibt verbunden, bekommt weiter Events und Leases
    Auslöser Admin (sultan token node maintenance) oder Knoten selbst (sultan agent maintenance on), pro Dienst per YAML/Label Admin
    • Wie in der Cloud (kubectl drain vor der Wartung) ist die Kombination möglich: erst drain (Last auf andere Knoten), dann Wartung am leeren Knoten.
    • Einschränkung: Echte Lastverteilung einer Domain über mehrere Knoten gibt es noch nicht (Roadmap). Bis dahin ist bei Seiten mit nur einem Backend maintenance das Mittel der Wahl; drain bedeutet dort „Seite offline (404)“.
  • Wartung (umgesetzt, Schritt 1):

    • Quellen: Knoten (node maintenance bzw. agent maintenance on), Dienst (Label sultan.maintenance=true + optional sultan.maintenance.public_reason, in YAML maintenance/maintenance_public_reason), Healthcheck-Ausfall.
    • Vorrang: Sperre/drain (keine Routen) > Ablauf/Paywall > Wartung > Mahnhinweis > normal. Wartung unterdrückt also auch den Cookie-Durchlass der Mahnstufen.
    • Header an den Lander: X-Sultan-Until (RFC 3339, nur befristet) und X-Sultan-Public-Reason (URL-kodiert).
    • Lander: public_reason (max. 300 Zeichen, einzeilig) ersetzt den Standardtext; das Ende wird in der Zeitzone des Servers angezeigt; Retry-After = Sekunden bis zum Ende (60 s … 1 Tag).
    • reason (max. 500 Zeichen) erscheint nur im Log und in node list, nie öffentlich.
  • Mahnstufen-Zeitplan (policy.DunningSchedule): Der Server berechnet die Stufe aus dem Fälligkeitsdatum der offenen Zahlung, angelehnt an Bank-Zahlungsfristen: Stufe 1 ab 8 Tagen, Stufe 2 ab 25, Stufe 3 ab 32 Tagen Verzug. Die Werte sind konfigurierbar.


6. Überwachung, Lizenzfristen & Alerting (Checkmk-Integration)

Um zu verhindern, dass Kunden-Instanzen bei Ablauf von Quartals- oder Jahresabonnements unerwartet in den Wartungsmodus fallen, implementiert der Sultan-Server Schnittstellen für Checkmk und externe Alerting-Pipelines.

6.1 Checkmk Local Check Protocol

Der Server stellt einen internen Management-Endpunkt bereit: GET /metrics/checkmk (oder auslesbar über ein lokales Checkmk-Agent-Plugin-Script /usr/lib/check_mk_agent/local/sultan_licenses).

Das Ausgabeformat entspricht der nativen Checkmk Local-Check-Syntax:

# Syntax: <Status> <ServiceName> <Metriken> <Nachrichtentext>
# 0 = OK, 1 = WARN, 2 = CRIT, 3 = UNKNOWN

0 "Sultan_Tenant_kunde_schmidt" days_left=74;30;14 OK - Abo aktiv bis 2026-12-15 (74 Tage verbleibend)
1 "Sultan_Tenant_meier_gmbh" days_left=12;30;14 WARN - Abo laeuft in 12 Tagen ab! Verlaengerung erforderlich.
2 "Sultan_Tenant_alt_ag" days_left=0;30;14 CRITICAL - Abo seit 1 Tagen abgelaufen! Status: suspended_payment

Umsetzung (Schritt 3, pkg/checkmk): GET /metrics/checkmk auf dem Provider-Port.

Service Metrik Zustand
Sultan_Tenant_<id> (nur kommerziell) days_left=N;30;14 OK; WARN ≤ 30 Tage; CRIT ≤ 14 Tage, abgelaufen oder Quarantäne
Sultan_Payment_<id> (nur kommerziell) dunning_level=N;1;2 OK ohne offene Zahlung; Mahnstufe 1 WARN; 2 und 3 CRIT (3 = „Kunde offline“)
Sultan_Node_<id> lease_hours_left=N online/drained OK; Wartung WARN (mit internem Grund, auch offline); offline WARN, ab --offline-alert-after (Default 15 min) CRIT
Sultan_Policy_Violations violations_24h=N;1 OK ohne Verstöße; ab 1 WARN (gezählt im Speicher, nach Neustart neu)
  • Texte in ASCII (Umlaute umschrieben), einzeilig, sortiert. Kurze Ausfälle in Sekunden („offline seit 45 s“), sonst in Minuten. Das Wartungsende steht in der Zeitzone des Servers mit Kürzel (z. B. CEST), wie auf der Lander-Seite.
  • Checkmk-Agent-Plugin auf dem Ingress-Host: /usr/lib/check_mk_agent/local/sultan mit dem Inhalt #!/bin/sh und curl -fsS http://127.0.0.1:8080/metrics/checkmk.

6.2 Schwellenwerte & Alarmierungskaskade

  • 30 Tage vor Ablauf: Warnung im Checkmk-Dashboard (Monitoring-Status: WARN).
  • 14 Tage vor Ablauf: Kritischer Alert (CRIT). Automatischer E-Mail-Dispatch / Ticket-Erstellung an Kunden und Admin: „Abo-Verlängerung erforderlich – bitte Rechnung begleichen“.
  • Umsetzung (Schritt 3): Der Server-Job läuft bei jedem Refresh.
    • Vertragsablauf: Kommerzielle Mandanten werden ab valid_until dauerhaft auf expired gesetzt. Community läuft nie über valid_until ab (5c), nur über den expliziten Status.
    • Benachrichtigungen genau einmal pro Ereignis. Die Schlüssel enthalten das Bezugsdatum, damit nach einer Verlängerung bzw. bei einer neuen offenen Zahlung ein neuer Zyklus beginnt (Tabelle notifications).
      • Ereignisse: Vertrag 30 / 14 / 0 Tage, Mahnstufe 1 / 2 / 3, Knoten länger als --offline-alert-after getrennt (nicht bei angemeldeter Wartung oder drain), neue Policy-Verstöße (sofort, asynchron).
      • „Wieder online“ (Info) beim erneuten Verbinden, nur wenn zuvor ein Offline-Alarm verschickt wurde, je Ausfall einmal, mit Ausfalldauer.
      • Schlägt der Versand fehl, wird beim nächsten Durchlauf erneut versucht. Bei mehreren Zielen können dann einzelne Ziele eine Nachricht doppelt bekommen.
      • Ziele: --notify-slack (Slack-kompatibel: {"text": …}, Slack-Markdown, Emoji je Schweregrad) und --notify-ntfy (+ --notify-ntfy-token; Titel, Priorität default/high/urgent, Tags, Markdown), jeweils mehrfach angebbar. Ohne Ziel wird nichts vermerkt.
    • Aufräumen nach 10 Tagen: eingelöste/abgelaufene Einladungen, abgelaufene Leases, zugestellte Befehle.
    • Zahlungsstatus bis zur Admin-API per CLI: sultan token tenant payment --id … --overdue-since JJJJ-MM-TT | --paid; tenant list zeigt die Spalte PAYMENT.
  • Tag 0 (Ablaufzeitpunkt):
  • Status wechselt in SQLite auf expired.
  • Traefik leitet Domain auf Informations-Landingpage um.
  • Checkmk triggert Alarm: CRITICAL - Service offline geschaltet.

7. Referenzkonfigurationen

Die lauffähigen Vorlagen liegen unter deploy/compose/{server,agent} (mit .env.example); die Ausschnitte hier zeigen das Prinzip. Image: ein distroless-Image für Server und Agent (Dockerfile, nonroot-User 65532, kein ENTRYPOINT, Arbeitsverzeichnis /, Default-Datenverzeichnis also /suldata). Ein Bind-Mount für /suldata muss vorher 65532:65532 gehören.

7.1 Compose-Setup: Ingress-Knoten

services:
  traefik:
    image: traefik:v3.1
    container_name: traefik-ingress
    restart: unless-stopped
    network_mode: host
    command:
      - "--providers.http.endpoint=http://127.0.0.1:8080/v1/traefik-config"
      - "--providers.http.pollInterval=3s"
      - "--entrypoints.web.address=:80"
      - "--entrypoints.web.http.redirections.entryPoint.to=websecure"
      - "--entrypoints.web.http.redirections.entryPoint.scheme=https"
      - "--entrypoints.websecure.address=:443"
      - "--certificatesresolvers.dns-resolver.acme.dnschallenge=true"
      - "--certificatesresolvers.dns-resolver.acme.dnschallenge.provider=rfc2136"
    volumes:
      - ./acme.json:/etc/traefik/acme.json

  sultan-server:
    image: sultan:latest
    container_name: sultan-server
    restart: unless-stopped
    # Im Container auf allen Interfaces lauschen; nach außen nur 127.0.0.1 veröffentlichen.
    command: ["sultan", "server", "--data-dir=/suldata", "--provider-addr=:8080", "--lander-addr=:8081",
              "--hoster-name=Mein Hosting", "--hoster-url=https://hosting.example"]
    ports:
      - "8443:8443" # Agent Inbound (TLS Stream)
      - "127.0.0.1:8080:8080" # Traefik Config Provider & Checkmk Metrics – Klartext, nie öffentlich
      - "127.0.0.1:8081:8081" # Lander (Hinweis-/Wartungsseiten) – Traefik ruft ihn über 127.0.0.1 auf
    volumes:
      - ./suldata:/suldata   # sultan.db, server.key/.crt, master.key – server.key und master.key sichern!

7.2 Compose-Setup: Kunden-Host (Backend mit Docker)

services:
  sultan-agent:
    image: sultan:latest
    container_name: sultan-agent
    restart: unless-stopped
    network_mode: host   # Host-IP als Backend-Adresse, Hostname als Knoten-ID (Bridge: Container-IP/-ID)
    group_add: ["${DOCKER_GID}"]   # Lesezugriff auf den Docker-Socket für den nonroot-User
    command:
      - "sultan"
      - "agent"
      - "--data-dir=/suldata"
    environment:
      # Ausgabe von `sultan token invite` – enthält Fingerprint und (mit --public-url) die Server-Adresse.
      # Nach dem ersten Start nicht mehr nötig; stehen lassen ist harmlos.
      SULTAN_TOKEN: "sltn_enroll_<secret>.<fingerprint>.<server-url>"
    volumes:
      - /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock:ro
      - ./suldata:/suldata   # node.key (0600) und node.json – persistent halten!

  kunde-wordpress:
    image: wordpress:latest
    restart: unless-stopped
    labels:
      - "traefik.enable=true"
      - "traefik.http.routers.wp.rule=Host(`kunde.de`) || Host(`www.kunde.de`)"
      - "traefik.http.routers.wp.entrypoints=websecure"
      - "traefik.http.routers.wp.tls=true"
      - "traefik.http.routers.wp.tls.certresolver=dns-resolver"
      - "traefik.http.middlewares.wp-www.redirectregex.regex=^https?://kunde\\.de/(.*)"
      - "traefik.http.middlewares.wp-www.redirectregex.replacement=https://www.kunde.de/$${1}"
      - "traefik.http.middlewares.wp-www.redirectregex.permanent=true"
      - "traefik.http.routers.wp.middlewares=wp-www"
      - "traefik.http.services.wp.loadbalancer.server.port=80"


8. Architekturentscheidungen (Entscheidungslog)

Datum Entscheidung Begründung
2026-09-30 Traefik bezieht die Konfiguration per HTTP-Provider (Pull) von /v1/traefik-config; kein Docker-Socket-Nachbau. Gleichwertiger Traefik-Provider; ein Socket-Nachbau wäre fragil. Remote-Docker-Provider scheidet aus (Root-Zugriff auf Kunden-Hosts, eingehende Ports, nur ein Endpunkt).
2026-09-30 Labels → Traefik-Konfiguration: Router/Services typisiert, Middleware-Optionen als unveränderte Label-Strings durchgereicht; nicht unterstützte Labels (TCP/UDP, unbekannte Attribute) werden abgelehnt statt ignoriert. Nur mit traefik.enable=true. Traefik parst Middleware-Werte beim Einlesen wie Labels; Sultan muss nicht jeden Middleware-Typ kennen.
2026-09-30 Server→Agent-Stream als SSE; Agent→Server über eigene signierte Requests. Das Keepalive :\n\n ist SSE-Syntax; SSE ist proxy- und HTTP/1.1-tauglich.
2026-10-01 Tenant-Status expired als vierter gültiger Wert. Abschnitt 6.2 setzt ihn bei Ablauf.
2026-10-01 SQLite über modernc.org/sqlite. Kein cgo, statisches Single Binary.
2026-10-01 Ed25519-Request-Signatur in jedem Tier, auch community. Kein ungeschützter Homelab-Modus; einheitliches Sicherheitsniveau.
2026-10-01 Authentifizierung sperrt nur quarantined; übrige Sperren über Routing-Policy. Agent braucht den Kanal weiterhin (Lease, Reaktivierung).
2026-10-01 Kein Klartext für Agent-Verkehr: TLS 1.3 only, Signer nur für https, Verifier nur mit TLS. Signaturen und Labels dürfen nie unverschlüsselt übertragen werden.
2026-10-01 Token-Format sltn_enroll_<secret>.<fingerprint>, Pinning mit geprüftem Erstkontakt statt blindem TOFU. Schließt die Man-in-the-Middle-Lücke beim Erstkontakt (3.4). Entscheidet zugleich den früheren Widerspruch sltn_token_ vs. sltn_enroll_.
2026-10-01 Lizenz-Signatur mit Versionspräfix SULTAN-LICENSE-V1; Wildcard *.domain deckt alle Subdomain-Ebenen, nicht die Apex-Domain; *.<tld> verboten. Eindeutige, manipulationssichere Kodierung; Wildcard-Semantik entspricht der Erwartung „Mandant besitzt die Zone“, ohne versehentlich ganze TLDs freizugeben.
2026-10-01 Leases: signierte Lizenz-Kopie, 7 Tage (Wartung 10), Erneuerung nach ~2/3; kommerziell an Abo-Zyklus gebunden; Community automatisch neu ausgestellt; jederzeit serverseitig unterbrechbar. Kurze Laufzeit begrenzt Schaden bei Missbrauch; Sperren wirken über Polling ohnehin sofort (ACME-Analogie).
2026-10-01 Eskalatives Mahnwesen nur kommerziell: Wasserzeichen → Firemark → Paywall (402); umgesetzt über einen Sultan-Interceptor, zu dem die Policy umleitet. Mehrstufige Dringlichkeit analog zu Mahnstufen; Traefik selbst kann Seiteninhalte nicht verändern.
2026-10-01 Policy parst Regeln und verlangt Host-Einschränkung in jedem ||-Zweig; HostRegexp verboten; Namensraum <tenant>__<node>__<name>; @-Referenzen nur per Freigabeliste; chain/errors verboten. Verhindert Catch-all-Übernahmen, Zugriff auf api@internal und Querverweise zwischen Mandanten.
2026-10-01 /etc/sultan.d als YAML mit Komfortschaltern + rohen Labels; Healthcheck (Status + einfache Inhaltsprüfung) im YAML; Interface/Port konfiguriert. Für Bare-Metal-Admins lesbarer als Labels; Ports sind nicht sicher erratbar.
2026-10-01 Benachrichtigung: Community per Webhook; kommerziell SMTP an Mandanten + Ticketsystem (Zammad per Webhook/API). Homelab braucht keinen Mailserver; kommerziell nachvollziehbare Kommunikation.
2026-10-01 Admin-Zugriff: Community nur lokale CLI; kommerziell zusätzlich Admin-API (Rechnungssystem, Ansible). Automatisierte Lizenzpflege im kommerziellen Betrieb.
2026-10-01 Community-Lease 14 Tage, Erneuerung ~7 Tage mit Streuung; Wartung bis 7 Tage ohne Invalidierung, solange 50x-Lander mit Pro-Hinweis. Homelab-Betrieb robust gegen Server-Wartung; Upsell statt Ausfall.
2026-10-01 Mahnstufen 8/25/32 Tage (Bank-Zahlungsfristen), vom Server berechnet. Watermark/Firemark als Hinweisseite mit meta refresh statt Einblendung ins Original; Durchlass per Cookie sultan_ack=<stufe> über einen zweiten Router. Deutlich einfacher als Seiten umzuschreiben; Cookie verhindert die Weiterleitungsschleife.
2026-10-01 Middleware-Zielbegrenzung vorgesehen (Backend-Tupel host:port, per Label, erst Beobachtungsmodus). SSRF-Risiko durch forwardAuth u. ä.; Regeln erst nach Beobachtung festlegen.
2026-10-01 Admin-API mit API-Token; TLS des Admin-Interfaces über ACME (öffentliches Zertifikat via Traefik), kein Pinning nötig. Gängige Praxis für Rechnungssystem/Ansible; ACME ist auf dem Ingress ohnehin vorhanden.
2026-10-01 Mahnhinweis-Weiterleitung 5 s / 10 s, Cookie 60 min; Stufe 3 ohne Durchlass = Kunde offline mit Hoster-Einladung. Hinweis pro Besuch statt pro Request; Eskalation endet mit Abschaltung nach zwei Checkmk-Alarmen.
2026-10-01 Lander: eingebaute minimale HTML-Seiten (de_DE/en_US, ohne CSS); optional eigene Vorlagen aus gemountetem Verzeichnis, max. 1 HTML-Vorlage + 1 CSS + 1 Grafik pro Seite. Funktioniert ohne Konfiguration; Anpassung möglich ohne komplexen Webserver.
2026-10-01 Middleware-Zielbegrenzung als Andockstelle mit Beobachtungs-/Durchsetzungsmodus, Default dulden. Erst beobachten, dann Regeln festlegen.
2026-10-01 Registry: service_state = vollständiger Schnappschuss je Knoten (Workloads mit Host + Labels, Liste ausgefallener Services); Workloads einzeln übersetzt, bei Namenskonflikt innerhalb eines Knotens gewinnt der alphabetisch erste; fail-static bei Directory-Ausfall; Verstöße nur beim ersten Auftreten melden. Robust gegen Teilausfälle; Audit-Log ohne Wiederholungsflut.
2026-10-01 Lander-Vorlagen mit Go html/template; die eingebauten Seiten lassen sich als Beispiel exportieren (dump-landing). Eingebaut, ohne Abhängigkeit, schützt automatisch gegen eingeschleustes HTML; Syntax erlernbar.
2026-10-01 Datenverzeichnis ./suldata für Server und Agent; Ports :8443/8080 als konfigurierbare Defaults, Provider-Port auf Loopback. Einheitlich, einfach zu mounten; Klartext-Port nicht versehentlich öffentlich.
2026-10-01 sultan server: Knoten-Lebendigkeit = offener Stream; Routen beim Trennen sofort entfernt; POST /api/v1/state nur bei offenem Stream. Keine verwaisten Routen; einfaches, eindeutiges Modell.
2026-10-01 sultan token arbeitet direkt auf dem Datenverzeichnis; legt es nie selbst an; Einladungs-Token allein auf stdout. Kein versehentlicher Identitätswechsel durch Tippfehler; skriptfreundlich (TOKEN=$(sultan token invite …)).
2026-10-02 Agent Teil 1: Docker-Anbindung ohne SDK; Port-Übersetzung Container-Port → veröffentlichter Host-Port; Zustand nach jedem Verbinden neu senden; bei Docker-Fehler nichts senden. Ingress erreicht nur veröffentlichte Ports; leichte Abhängigkeiten; keine versehentlich gelöschten Routen.
2026-10-02 Hub registriert einen Knoten vor dem Senden der Antwort-Header. Sonst Wettlauf: Agent sendet seinen Zustand direkt nach den Headern und bekäme 409.
2026-10-02 Agent Teil 2: /etc/sultan.d-YAML wird in Traefik-Labels übersetzt (gleicher Weg wie Docker); Polling statt inotify; Healthcheck mit Schwelle (Default 2 Fehlschläge) → down_services. Ein Prüfweg für alle Quellen; robust bei Bind-Mounts; kein Flattern der Wartungsseite.
2026-10-02 Lander im Server-Prozess (--lander-addr); landing wie paywall mit 402; Weiterleitungsziel nur lokaler Pfad; Assets eigener Vorlagen eingebettet; Vorlagen in <data-dir>/landing. Ein Dienst weniger im Betrieb; keine offene Weiterleitung; Assets funktionieren auch mit gesetztem Durchlass-Cookie.
2026-10-02 Polling in /etc/sultan.d bestätigt: lokal, nur Inhaltsvergleich weniger KB alle 5 s. inotify ist bei Bind-Mounts und atomar ersetzten Dateien unzuverlässig; immer das Verzeichnis mounten, nie einzelne Dateien.
2026-10-02 Server-Adresse in der Einladung (optionaler dritter Teil, Base64url); Quelle --public-url (gemerkt) bzw. invite --server-url; beim Agent --server/SULTAN_SERVER als Override, SULTAN_TOKEN als Alternative zum Argument. Onboarding mit einem einzigen kopierbaren Token (curl | sh); der Server kennt seine erreichbare Adresse nicht selbst.
2026-10-02 Pin am Fingerprint statt an der Adresse (server_fingerprint in node.json, known_servers entfällt); Adresswechsel desselben Servers erlaubt und gespeichert. Adressen ändern sich (DNS, NetBird, intern/extern); die Identität des Servers nicht. Sicherheitsniveau unverändert.
2026-10-02 Reihenfolge der Roadmap: Wartung → Leases/node_command/signierte Events (Migration v3) → Checkmk/Fristen/Benachrichtigungen → mehrere Adressen → Betrieb. Jeder Schritt baut auf den Daten des vorherigen auf.
2026-10-02 maintenance vs. drain trennscharf: Wartung = Routen bleiben mit 503, befristet (Default 4 h), Admin und Knoten können sie auslösen; drain = Routen weg, bis resume, nur Admin. Grund zweigeteilt (reason intern, public_reason ersetzt den Standardtext der Wartungsseite). Beides ist aus Cloud-Umgebungen bekannt; unterschiedliche Wirkung für Besucher.
2026-10-02 Lease bestimmt, wie lange Routen eines getrennten Knotens als Wartungsseite stehen bleiben; Agent loggt nur. node_command als feste Liste ohne Fernsteuerung; lokale Hooks geparkt. Server-Events werden signiert. Klarer Zweck der Lease; keine Remote-Code-Ausführung.
2026-10-02 Fristen & Benachrichtigung: expired wird gespeichert; Aufräumen nach 10 Tagen; Offline-Alarm nach 15 min; Webhooks zuerst Slack-kompatibel und ntfy, Matrix geplant. Nachvollziehbar, wenig Aufwand, gängige Ziele.
2026-10-02 Wartung umgesetzt: eigene Dimension je Knoten (nicht Teil von status); Vorrang Ablauf/Paywall > Wartung > Mahnhinweis; getrennter Knoten in Wartung behält seine Routen bis Wartungsende; undrain durch resume ersetzt (beendet Wartung und drain). Ein Knoten in Wartung kann verbunden sein oder nicht; Reboot ohne 404 für Besucher.
2026-10-02 Leases und Befehle umgesetzt: Lease mit eigenem Signaturpräfix; ungeplant getrennter Knoten zeigt die Wartungsseite bis Lease-Ende; Befehle über eine DB-Warteschlange (CLI ist eigener Prozess); alle Server-Events signiert; rotate_key mit Besitznachweis und abbruchsicherer Wiederaufnahme. Kein 404 bei kurzen Ausfällen; keine Fernsteuerung ohne Server-Signatur; Schlüsselwechsel ohne Aussperren.
2026-10-02 Schritt 3 umgesetzt: Checkmk-Ausgabe als reine Funktion (pkg/checkmk); Job bei jedem Refresh (Ablauf, Benachrichtigung, Aufräumen); Benachrichtigungen Slack-kompatibel + ntfy mit Wiederholung bis zur erfolgreichen Zustellung; Community läuft nicht über valid_until ab. Testbar, ohne zusätzlichen Prozess; keine verlorenen Alarme.
2026-10-02 Mehrere Server-Adressen: --public-url mehrfach; die Einladung trägt nur die erste; die Liste kommt per signiertem config-Befehl bei jedem Verbinden; der Agent weicht der Reihe nach aus und merkt sich die funktionierende Adresse. Kurze Einladung; Ausfall einer Adresse (DNS, Weiterleitung) ohne Eingriff überbrückt.
2026-10-02 Build & Auslieferung: ein distroless-Image (nonroot) für Server und Agent, Multi-Arch amd64+arm64 per buildx mit Go-Cross-Compile (kein QEMU); Registry: eigener Zot-Server zot.chmln.de, Image zot.chmln.de/sultan (ohne Owner-Ebene, daher kein Rewrite-Proxy nötig); Zugangsdaten für den Push nur in deploy/.env (gitignored), ohne Passwort bricht push-image.sh ab. (Ursprünglich geplant: Gitea-Registry hinter Rewrite-Proxy – verworfen.) Binaries + SHA256SUMS statisch unter sultan/releases/<version>/, releases/stable als Zeiger. Agent-Container mit network_mode: host. Vorerst manuell über deploy/*.sh, später Gitea Actions bei Tags. Kein Go-Stack beim Nutzer; ein Image für alle Architekturen; Agent meldet sonst die Container-IP als Backend; eigene Registry mit kurzen Image-Namen ohne Proxy-Tricks.
2026-10-02 Kleinere Punkte: Rate-Limit /enroll 10/min/IP vor der Signaturprüfung (-1 = aus); SULTAN_<FLAG> für alle Flags, Flags gewinnen; „wieder online“ nur nach Offline-Alarm; Checkmk-Zeiten in Server-Zeitzone. Ein Agent, dessen Enrollment mit 429 scheitert, beendet sich; der Neustart erfolgt über systemd bzw. Docker restart. Schutz vor Durchprobieren; Container-/systemd-freundliche Konfiguration; vollständige Alarmkette.
2026-10-03 Gestoppter Container = Wartungsseite, entfernter = Route weg. Der Agent meldet gestoppte Container mit (Ports aus PortBindings) und deren Services als down_services; laufende Container gewinnen bei Namensgleichheit. Leerer --public-url-Wert wird ignoriert; sultan version zeigt die Zeitzone; TZ kommt über Compose (distroless enthält tzdata). Server-Compose mit network_mode: host neben Traefik. Erster Test gegen echtes Traefik: docker stop lieferte 404 statt 503. Abschalten bleibt über Entfernen möglich.
geplant Geordneter Zertifikatswechsel; optionale Root-CA. (Signierte Server-Events: umgesetzt.) Zweite Sicherheitsschicht neben dem TLS-Pin; Betrieb ohne Aussperren.

9. Umsetzungsstand & Roadmap

Umgesetzt (Go-Packages, testgetrieben):

Package Inhalt
pkg/traefik Labels → Traefik-Konfiguration, Merge, JSON/YAML
pkg/stream SSE-Hub (Server) und Client (Agent) inkl. Keepalive, Backoff, Disconnect
pkg/store SQLite: Mandanten, Knoten, Enrollment
pkg/auth Ed25519-Request-Signatur, Verifier, Schlüsseldateien
pkg/crypto Server-Zertifikat, TLS 1.3, Pinning, Enrollment-Token
pkg/license Lizenz ausstellen, prüfen, Domain/Routen/Feature-Checks
pkg/policy Regel-Parser, Domain-/Routen-/Feature-/Referenz-Prüfung, Namensraum, Stufen & Interceptor-Umleitung, Mahnstufen-Zeitplan, Andockstelle Middleware-Ziele
pkg/registry Aggregator: Zustand je Knoten → Labels → Policy → Merge; /v1/traefik-config-Handler; Audit-Callback
pkg/server sultan server: Datenverzeichnis, Master-Key, HTTP-Routen beider Ports, Knotenstatus, Refresh-Schleife, Graceful Shutdown, Audit-Log über slog
pkg/cli, main.go Befehle server, agent, token (Mandanten, Einladungen, Knoten, Lizenzen), version, help
pkg/docker minimaler Docker-Engine-Client (Container, Events) über Unix-Socket
pkg/lander Hinweis-, Wartungs- und Einladungsseiten je Stufe; eigene Vorlagen; Dump
pkg/agent Agent: Enrollment, Stream, Zustand senden, Docker-Watcher, Port-Übersetzung, Backend-Adresse; /etc/sultan.d-YAML mit Komfortschaltern und Healthchecks

Offen – Bausteine in dieser Reihenfolge (festgelegt 2026-10-02):

Schritt 1 – Wartung pro Knoten und Dienst (3a–3e) – ✅ umgesetzt 2026-10-02 (Migration v3)

  • Knotenstatus maintenance mit Ende: sultan token node maintenance --id … [--for 4h] [--reason …] [--public-reason …], Ende per node resume. Standard-Dauer 4 h; --for 0 = unbefristet.
  • Auch der Knoten selbst kann Wartung an- und abmelden: sultan agent maintenance on|off [--for] [--reason] [--public-reason] (signierter Request, z. B. aus Patch-/Reboot-Skripten).
  • Pro Dienst: YAML-Feld maintenance: true bzw. Container-Label sultan.maintenance=true.
  • Grund zweigeteilt:
    • reason: intern (Log, Monitoring), nie öffentlich.
    • public_reason: optional. Wenn angegeben, ersetzt er auf der Wartungsseite den Standardtext („bitte versuchen Sie es bald wieder“), z. B. „Wir spielen ein Sicherheitsupdate ein (CVE-1234) – Sicherheit nehmen wir ernst.“
    • Die Wartungsseite zeigt das voraussichtliche Ende; Retry-After wird daraus abgeleitet.
  • Trennt sich ein Knoten in Wartung, bleiben seine Routen als Wartungsseite stehen, bis die Wartung endet. Für ungeplantes Trennen gilt künftig die Lease (Schritt 2).

Schritt 2 – Leases, node_command, signierte Server-Events (4a–4e) – ✅ umgesetzt 2026-10-02 (Migration v4)

  • Lease: pro Knoten, signiert mit dem Master-Key. Der Server verlängert per lease_renew, solange der Knoten verbunden und der Mandant in Ordnung ist. Laufzeiten wie 4.1a.

  • Wirkung serverseitig: Ein getrennter Knoten behält seine letzten Routen als Wartungsseite, bis seine Lease abläuft; erst dann werden sie entfernt. Sofort entfernt werden sie nur durch drain.

  • Beim Agent: nur Logging, vorerst ohne Konsequenz. Später auch für einen Checkmk-Check auf Kundenseite („Lease läuft bald ab“).

  • node_command, feste Liste ohne beliebige Befehle:

    Befehl Agent tut
    resync sendet sofort seinen Zustand
    rotate_key neuer node.key, mit dem alten signiert gemeldet
    drain, maintenance, resume nur Logging (Hinweis)
    config übernimmt Server-Adressen (Schritt 4)

    Lokale Hooks (/etc/sultan.d/hooks/<befehl>) sind geparkt.

  • Server-Events signiert mit dem Master-Key (Agent kennt den Public Key seit dem Enrollment). Das ist die bisher „geplante zweite Schicht“ aus 3.4.

  • Migration v4 wie in 4.3 beschrieben. (Die Wartungsfelder kamen bereits mit v3.)

Schritt 3 – Checkmk, Fristen-Job, Benachrichtigungen (5a–5e) – ✅ umgesetzt 2026-10-02 (Migration v5)

  • GET /metrics/checkmk (Provider-Port, lokal), Local-Check-Format:
    • pro kommerziellem Mandanten: Vertragsende (WARN 30 / CRIT 14 Tage) und Mahnstufe
    • pro Knoten: online / offline / Wartung, Lease-Restlaufzeit
    • Server: Policy-Verstöße der letzten 24 h
    • Community-Mandanten bekommen keine Vertragsfristen (automatisch neu lizenziert).
  • Zwei getrennte Uhren: Vertragsende (valid_until) für Checkmk-Fristen; überfällige Zahlung (payment_overdue_since) für Mahnstufen 8/25/32. Bis zur Admin-API setzt die CLI den Zahlungsstatus: sultan token tenant payment --id … --overdue-since DATUM | --paid.
  • Job:
    • setzt expired dauerhaft als Status (Nachvollziehbarkeit, Anzeige)
    • räumt auf: Einladungen 10 Tage nach Ablauf bzw. Einlösung, abgelaufene Leases
    • verschickt Benachrichtigungen
  • Benachrichtigungen einmal pro Ereignis, Versand in der DB vermerkt:
    • Ereignisse: Fristen 30/14/0 Tage, Mahnstufen 1/2/3, Knoten länger als 15 min offline (entspricht 900 s DNS-TTL volatiler Subdomains), neue Policy-Verstöße
    • Formate zuerst Slack-kompatibel ({"text": …}, Slack-Markdown; funktioniert auch mit Mattermost/Rocket.Chat/Discord) und ntfy. Danach Matrix (geplant), SMTP und Zammad (kommerziell).

Schritt 4 – Mehrere Server-Adressen – ✅ umgesetzt 2026-10-02

  • Die Einladung behält eine Adresse.
  • Der Server verteilt die vollständige Liste per config-Event (--public-url mehrfach angebbar).
  • Der Agent probiert sie der Reihe nach und merkt sich die zuletzt funktionierende. Gefahrlos, weil das Pinning am Fingerprint hängt.

Schritt 5 – Betrieb und Installationsskript (teilweise umgesetzt: Dockerfile, deploy/build.sh, deploy/push-image.sh, deploy/publish-static.sh, deploy/compose/)

  • Strukturiertes Logging (log/slog, umgesetzt), Graceful Shutdown (umgesetzt), Versionsinfo
  • ✅ Dockerfile (statisch, distroless, Multi-Arch), Build-/Deploy-Skripte, Compose-Vorlagen
  • offen: systemd-Unit, install.sh, Signatur von SHA256SUMS (Ed25519, Schlüssel nur im Runner), Gitea Actions (Tests bei Push, Release bei Tag v*), Image-Digest in der veröffentlichten Compose-Vorlage, optional Spiegel auf ghcr.io
  • Installationsskript für curl | sh: Herkunft mit öffentlichem Zertifikat und/oder Prüfsumme bzw. Signatur. Die eigentliche Vertrauensfrage ist das Skript, nicht der Token.

Projektstand 2026-10-03: vorerst fertig. Erster Feldtest (webproxy11 + dockweb11) erfolgreich; Betriebsdoku unter docs/ (community.md, wartung.md, hoster.md). Weitere Iterationen nach Schwierigkeiten im Betrieb. Offen aus dem Abschluss:

  • Ungetestet im Feld: Agent als systemd-Dienst (ohne Docker); kommerzieller Betrieb (Lizenzen, Mahnwesen, Vertragsende, pro/enterprise).
  • tenant update (Vertragsende, Domains, Tier, Routenlimit) – Voraussetzung für zahlende Kunden; store.UpdateTenant existiert, CLI fehlt.
  • Lander-Vorlagen gestalten („hübsch“): die eingebauten Seiten sind bewusst minimal ohne CSS.
  • Registry mit Vanity-URL: zot.chmln.de ist noch nicht weiter getrieben (Image-Name unabhängig vom Registry-Host, z. B. cr.<domain>/sultan).
  • Geparkt: Veröffentlichung auf GitHub (Quellen, Releases, ggf. ghcr.io-Spiegel).

Weitere offene Bausteine (ohne feste Reihenfolge):

  • Lastverteilung einer Domain über mehrere Knoten (gemeinsamer Load-Balancer statt getrennter Router) – Voraussetzung dafür, dass drain seine Stärke ausspielt.
  • Admin-API (nur kommerziell): Mandanten, Lizenzen, Zahlungsstatus für Rechnungssystem und Ansible; Authentifizierung per API-Token, TLS über ACME.
  • (umgesetzt 2026-10-02: Rate-Limit für /enroll, Umgebungsvariablen für alle Flags, „wieder online“-Meldung, Checkmk mit Sekunden und Zeitzone)
  • Agent: Healthchecks auch für Docker-Container (Docker-Health-Status oder Labels sultan.healthcheck.*).
  • CLI: tenant update (Domains/Tier/Laufzeit ändern), JSON-Ausgabe für Skripte.
  • public_reason zweisprachig (klein): Die Wartungsseite ist de/en, der öffentliche Grund bisher nur ein Text. Vorschlag: --public-reason mehrfach mit Sprachpräfix (de:…, en:…; ohne Präfix = für alle Sprachen), Label analog sultan.maintenance.public_reason.<lang>; Übertragung im bestehenden Header X-Sultan-Public-Reason als URL-kodierte Form (de=…&en=…), Lander wählt je Sprachblock, fehlt eine Sprache → der andere Text.
  • Sicherheit (3.4): geordneter Zertifikatswechsel, optionale Root-CA.
  • Ausblick Monitoring: Die Zahl der Policy-Verstöße der letzten 24 h (Sultan_Policy_Violations) zählt der Server derzeit im Speicher; nach einem Neustart beginnt sie bei 0. Für Checkmk reicht das. Wird sie dauerhaft gebraucht (Auswertung, Audit), ist das eine kleine Erweiterung: Verstöße mit Zeitpunkt in einer Tabelle ablegen und im Aufräum-Job nach der Frist löschen.

Offene Fachfragen (vor Umsetzung klären):

  • Middleware-Zielbegrenzung: genaue Grenze (Pfadsegment? Zonen-Redirects?), Label-Name, Wechsel vom Beobachtungs- in den Sperrmodus.