# Sultan: High-Performance Distributed Ingress & ZeroTrust Service Discovery Dieses Dokument beschreibt das vollständige Architektur-, Daten-, Netzwerk- und Anwendungsmodell des Projekts **Sultan**. Es dient als Kontext und Referenz für Software-Architekten und AI-gestützte Coding-Agenten (z. B. via Continue in VSCodium). --- ## 1. Executive Summary & Problemstellung Klassische Ingress-Lösungen wie Nginx Proxy Manager (NPM) erfordern eine manuelle, GUI-basierte Konfiguration des Routings. In verteilten Umgebungen (Mehrere Proxmox-Cluster, Docker-Hosts, Bare-Metal-LAMP/Apache-Server, Kunden-Setups hinter DS-Lite/CGNAT) führt dies zu Dokumentationsbrüchen, toten Routen und hohem Wartungsaufwand. **Sultan** löst dies durch eine entkoppelte, zweigeteilte Architektur: 1. **In-Service-Deklaration:** Backends deklarieren ihr Routing direkt am Dienst (native Traefik-Labels in Docker oder Drop-in-Konfigurationen unter `/etc/sultan.d/`). 2. **Dynamische Registrierung:** Ein leichtgewichtiger Agent überträgt diese Konfiguration kryptografisch gesichert über einen langlebigen, ressourcenschonenden Keepalive-Stream an den zentralen Ingress. 3. **ZeroTrust & Public Reachability:** Optionale Anbindung über ein WireGuard-Mesh (z. B. NetBird), um auch Hosts ohne statische IPv4/IPv6 oder hinter NAT/Firewalls öffentlich mit TLS bereitzustellen. 4. **Integrierte Autorisierung & Monetarisierung:** Mandantensichere Capability-Lizenzen via Ed25519-Kryptografie, Lease-System und automatisierte Überwachung von Lizenzfristen. --- ## 2. Netzwerkmodell (Network Model) ### 2.1 Topologie ```text [ Öffentliches Internet ] │ │ HTTP (80) / HTTPS (443) / TCP-Streams ▼ ┌────────────────────────────────────────────────────────┐ │ Ingress-Knoten (Zentrales Rechenzentrum / Public IP) │ │ │ │ ┌────────────────────────────────────────────────┐ │ │ │ Traefik v3 (Ingress / ACME DNS-01 Validierung) │ │ │ └───────────────────────▲────────────────────────┘ │ │ │ HTTP Poll (:8080) │ │ │ (/v1/traefik-config) │ │ ┌───────────────────────┴────────────────────────┐ │ │ │ Sultan-Server (Registry / Policy Engine) │ │ │ └───────────────────────▲────────────────────────┘ │ │ │ │ │ │ Control Plane: │ │ │ TLS-Stream (:8443) │ │ │ (45s Heartbeat, │ │ │ Instant Event Push) │ │ │ │ │ ┌───────────────────────┴────────────────────────┐ │ │ │ NetBird / WireGuard Gateway (100.64.0.1) │ │ │ └───────────────────────▲────────────────────────┘ │ └───────────────────────────┼────────────────────────────┘ │ ZeroTrust WireGuard Tunnel (Traffic) │ ┌──────────────────┴──────────────────┐ │ │ ┌────────┴──────────────┐ ┌──────────┴─────────────┐ │ Client-Host A │ │ Client-Host B │ │ (Bare-Metal / LAMP) │ │ (Docker-Compose Stack) │ │ │ │ │ │ ┌───────────────────┐ │ │ ┌────────────────────┐ │ │ │ sultan-agent │ │ │ │ sultan-agent │ │ │ │ (File-Watcher) │ │ │ │ (Docker-Socket) │ │ │ └───────────────────┘ │ │ └────────────────────┘ │ │ ┌───────────────────┐ │ │ ┌────────────────────┐ │ │ │ Apache / VHost │ │ │ │ Web-Container │ │ │ └───────────────────┘ │ │ └────────────────────┘ │ └───────────────────────┘ └────────────────────────┘ ``` ### 2.2 Datenfluss & Verbindungstypen 1. **Control Plane (Agent -> Server):** * **Transport:** Ausgehende Verbindung vom Agenten zum Server über TCP `:8443` (TLS). * **Firewall-Freundlichkeit:** Reine Outbound-Verbindung; funktioniert hinter DS-Lite, Mobilfunk, Carrier-Grade-NAT und Unternehmens-Firewalls ohne Portweiterleitung. * **Keepalive-Mechanik:** Persistenter **SSE-Stream** (Server-Sent Events, `text/event-stream`) vom Server zum Agenten. Alle 45 Sekunden ohne Event wird die SSE-Kommentarzeile `:\n\n` gesendet. Verhindert das Schließen von State-Tables in NAT-Routern (Conntrack Timeout). Der Agent gilt als getrennt, wenn 90 s lang nichts ankommt (auch kein Keepalive), und verbindet sich mit exponentiellem Backoff (1 s … 60 s) neu. * **Rückkanal (Agent -> Server):** Nicht über den Stream, sondern als eigene, signierte HTTPS-Requests (z. B. `service_state`). * **Event-Driven Push:** Änderungen an Containern (Start/Stop) oder Notfall-Sperren werden verzögerungsfrei (Latenz < 5 ms) über den bestehenden Stream übertragen. 2. **Data Plane (Traffic: Besucher -> Backend):** * **Direkt:** Liegen Ingress und Backend im selben VLAN/LAN, routet Traefik direkt auf die interne LAN-IP. * **ZeroTrust Overlay (NetBird):** Sitzt das Backend im Fremdnetz/Homelab, routet Traefik auf die WireGuard-Overlay-IP (`100.64.x.y`). End-to-End verschlüsselt. 3. **Ingress zu Traefik:** * Traefik pollt den lokalen Sultan-Server via HTTP-Provider: `GET http://127.0.0.1:8080/v1/traefik-config`. * Intervall: 2–5 Sekunden. Traefik verarbeitet die In-Memory-Konfiguration ohne Neustart und ohne Verbindungsabbrüche. * **Pull, nicht Push:** Traefik holt die Konfiguration ab; Sultan schreibt nie in Traefik und emuliert keinen Docker-Socket. Freigeschaltet wird das einmalig in Traefiks statischer Konfiguration (`--providers.http.endpoint`). Router aus Sultan heißen in Traefik `@http`; Mischbetrieb mit dem Docker-Provider für lokale Container ist möglich (Querverweise mit Provider-Suffix, z. B. `auth@docker`). * Port 8080 ist Klartext und deshalb nur an Loopback bzw. ein internes Docker-Netz zu binden. Achtung: Traefiks eigenes API/Dashboard nutzt per Default ebenfalls 8080. --- ## 3. Sicherheits- und Vertrauensmodell ### 3.1 Transport-Verschlüsselung (TLS ohne CA-Zirkus) * **Grundsatz: Kein Agent-Verkehr im Klartext.** Durchgesetzt auf mehreren Ebenen: * Der Agent-Port `:8443` wird ausschließlich per TLS bedient, **nur TLS 1.3**. * Der Agent signiert nur Requests an `https`-URLs; an eine `http`-URL geht weder Signatur noch Body. * Der Server authentifiziert nur Requests, die über TLS angekommen sind (sonst `426 Upgrade Required`). * **Server-Zertifikat:** Wird beim ersten Start selbst erzeugt (selbstsigniert, ECDSA P-256, **keine CA**) und liegt dauerhaft unter `/server.key` (0600) und `server.crt`. Gültigkeit 20 Jahre, weil Agents den Fingerprint pinnen. Fehlt nur eine der beiden Dateien, startet der Server nicht, statt still ein neues Zertifikat zu erzeugen (das würde alle Pins brechen). * **Fingerprint:** SHA-256 über das DER-Zertifikat, Base64url ohne Padding (43 Zeichen). * **Vertrauensmodell: Pinning mit geprüftem Erstkontakt** (statt reinem TOFU, siehe 3.4): * Der Agent speichert den Fingerprint je Server (`host:port`) in `known_servers` (Format wie SSH `known_hosts`: ` `, 0600; Einträge werden nur angehängt, nie still geändert). * **Erstkontakt:** Der Fingerprint muss zu dem im Enrollment-Token eingebetteten Wert passen (3.2), erst dann wird gepinnt. * **Folgekontakte:** Das Zertifikat muss zum Pin passen. Der Pin gewinnt immer, auch gegen einen später gelieferten Token-Fingerprint. * **Ohne Pin und ohne Token-Fingerprint** wird nicht verbunden (kein blindes TOFU). * Die Prüfung erfolgt im TLS-Handshake, also bevor Token, Signatur oder Body gesendet werden. * **Optional (geplant):** Unterstützung für explizit gemountete Root-CA-Zertifikate. ### 3.2 Authentifizierung & Enrollment (CSR-Handshake) * Private Keys werden **ausschließlich lokal auf dem Ziel-Host** generiert (Ed25519) und verlassen diesen niemals. `node.key` liegt als PKCS#8-PEM mit Rechten 0600 vor, wird nie überschrieben und bei offeneren Rechten nicht geladen. * **Authentifizierung ist in jedem Tier Pflicht** – auch im `community`-/Homelab-Betrieb gibt es keinen Zugang ohne Ed25519-Signatur und keinen Schalter, der das abstellt. * **Enrollment-Token:** `sltn_enroll_.` * `secret`: 256 Bit Zufall (Base64url). Der Server speichert nur den SHA-256 von `sltn_enroll_`, einmalig verwendbar, mit Ablaufzeit. * `fingerprint`: Fingerprint des Server-Zertifikats (3.1). Nicht geheim; er sichert den Erstkontakt des Agenten ab. * Der Admin überträgt den Token auf einem separaten Weg (z. B. Copy-Paste aus dem Server-Terminal) an den Agenten. * **Enrollment:** 1. Admin erzeugt den Einladungs-Token auf dem Server (`sultan token`). 2. Agent zerlegt den Token, verbindet sich per TLS und prüft dabei den Server-Fingerprint gegen den Token (3.1). Erst danach pinnt er den Server. 3. Agent generiert lokalen Key (`node.key`) und sendet `sltn_enroll_` an den Server (`POST /api/v1/enroll`). Der Request ist bereits mit dem neuen Schlüssel signiert (Besitznachweis); der Public Key steht im Header `X-Sultan-Key`. 4. Server prüft die Signatur, löst den Token ein und legt den Knoten **in einer Transaktion** an. Der Mandant ergibt sich ausschließlich aus dem Token. Schlägt das Anlegen fehl, bleibt der Token gültig. Paralleles Einlösen desselben Tokens gelingt genau einmal. 5. *(Geplant)* Server signiert das initiale Berechtigungszertifikat (Capability Lease). 6. Alle künftigen Requests werden vom Agenten mit `node.key` signiert. * **Request-Signatur** (jeder Agent-Request inkl. Stream-Aufbau): * Header: `X-Sultan-Key` (Public Key, Base64), `X-Sultan-Timestamp` (Unix-Sekunden), `X-Sultan-Nonce` (16–64 Zeichen, pro Request neu), `X-Sultan-Signature` (Base64). * Signiert wird (zeilengetrennt): `SULTAN-ED25519-V1`, Methode, Pfad+Query, Timestamp, Nonce, SHA-256-Hex des Bodys. * **Server-Prüfreihenfolge:** 1. TLS 2. Signatur (ohne Datenbankzugriff) 3. Zeitfenster ±5 Minuten 4. Nonce (Replay-Schutz) 5. erst dann Nachschlagen des Knotens per Public Key Gefälschte Requests kosten so keinen DB-Zugriff und können keine Nonces verbrauchen. * Die **Knoten-ID** wird ausschließlich aus dem geprüften Schlüssel abgeleitet, nie aus einer Angabe des Clients. * Body-Limit 1 MiB. * Fehler-Mapping: 401 (nicht authentifiziert, Replay, Zeitabweichung), 403 (gesperrt), 413 (Body zu groß), 426 (kein TLS); Infrastrukturfehler 500. * **Sperren:** Die Authentifizierung sperrt nur Mandanten im Status `quarantined`. Zahlungsverzug, Ablauf und gedrainte Knoten regelt die Policy-Engine über das Routing (5.2). Der Agent behält den Kanal, z. B. für `lease_renew` oder eine Reaktivierung. Für Entzug zur Laufzeit trennt der Server bestehende Streams aktiv (`Hub.Disconnect`). ### 3.3 Autorisierung & Domain-Ownership-Schutz Jeder Payload vom Agenten an den Server muss vom Server gegen die zugewiesene Policy geprüft werden: * **Domain Spoofing Protection:** Beansprucht ein Agent ein Label `Host('kunde.de')`, prüft der Server, ob `kunde.de` im Feld `allowed_domains` der Mandanten-Lizenz hinterlegt ist. Falls nicht: Ablehnung mit Sicherheits-Audit-Log. * **Route Limits:** Übersteigt die Anzahl der deklarierten Routen das Limit (`max_routes`), werden überzählige Routen verworfen. ### 3.4 Bedrohungsmodell: Erstkontakt (TOFU) und Server-Events * **Schwäche von reinem TOFU:** Beim ersten Kontakt wird ungeprüft vertraut. Ein Angreifer im Netzwerkweg (ARP-Spoofing im LAN, DNS-Manipulation, kompromittierter Router, offenes WLAN) würde dauerhaft gepinnt. Er könnte damit: * den Enrollment-Token abgreifen und mit eigenem Schlüssel zuerst einlösen, * sich dauerhaft dazwischenschalten (der echte Server gilt danach als „Fälschung“), * unsignierte Server-Events (`node_command`, `lease_renew`) einschleusen. * **Gegenmaßnahme (umgesetzt):** Der Fingerprint ist im Enrollment-Token eingebettet (3.1/3.2). Damit gibt es keinen ungeprüften Erstkontakt mehr. Ein Angreifer scheitert im TLS-Handshake und sieht weder Token noch Signatur; der Token bleibt beim echten Server einlösbar. * **Betriebsrisiko:** Ein Verlust von `/server.key` erzeugt ein neues Zertifikat und sperrt alle Agents aus. Deshalb muss `server.key` gesichert werden. *(Geplant:)* geordneter Zertifikatswechsel, bei dem der Server das neue Zertifikat vorab über den gepinnten Kanal ankündigt. * **Zweite Schicht (geplant):** Server→Agent-Events werden mit einem Server-Signaturschlüssel signiert, den der Agent beim Enrollment lernt. Die Echtheit von `node_command` hängt dann nicht mehr allein am TLS-Pin. --- ## 4. Datenmodell (Data Specifications) ### 4.1 Lizenz & Capabilities (`license.json`) ```json { "$schema": "http://json-schema.org/draft-07/schema#", "title": "SultanCapabilities", "type": "object", "properties": { "tenant_id": { "type": "string" }, "tier": { "type": "string", "enum": ["community", "pro", "enterprise"] }, "max_routes": { "type": "integer", "description": "-1 für unbegrenzt" }, "allowed_domains": { "type": "array", "items": { "type": "string" } }, "features": { "type": "array", "items": { "type": "string", "enum": ["websockets", "tcp_stream", "custom_middleware"] } }, "valid_until": { "type": "string", "format": "date-time" }, "signature": { "type": "string", "description": "Ed25519 Signatur des Server-Master-Keys über den Payload" } }, "required": ["tenant_id", "tier", "max_routes", "allowed_domains", "valid_until", "signature"] } ``` ### 4.2 Stream Event Protocol (Agent <-> Server) Beide Richtungen nutzen dasselbe JSON-Event-Format. Server→Agent läuft über den SSE-Stream; jedes Event ist ein SSE-Rahmen `id: `, `event: `, `data: `, gefolgt von einer Leerzeile (max. 1 MiB). Agent→Server läuft über signierte HTTPS-Requests. `node_id` setzt der Server immer selbst aus der geprüften Identität. ```json { "event_id": "evt_01J8Z9X2Y3...", "timestamp": 1727618531, "type": "service_state | lease_renew | node_command | error", "node_id": "node-proxmox-vm-42", "payload": {} } ``` * **Typ `service_state` (Agent -> Server):** Enthält die vollständige Liste der aktuell aktiven Traefik-Labels des Knotens. * **Typ `node_command` (Server -> Agent):** Enthält Aktionen wie `re_enroll`, `drain`, `maintenance`. * **Typ `lease_renew` (Server -> Agent):** Liefert ein verlängertes Krypto-Lease an den Agenten zurück. ### 4.3 SQLite Datenbankschema (Server State) Der Server persistiert Mandanten, Tokens und Richtlinien lokal in SQLite (`/var/lib/sultan/sultan.db`). * **Treiber:** `modernc.org/sqlite` (reines Go, kein cgo → statisches Single Binary). * **Pragmas:** `foreign_keys=ON` (sonst greift `ON DELETE CASCADE` nicht), WAL, `busy_timeout`, Schreib-Transaktionen `IMMEDIATE`. * **Migrationen:** Versioniert über `PRAGMA user_version`, nur anhängen. Eine Datenbank mit neuerer Version als das Programm wird abgelehnt. * **Zeitstempel:** Die Anwendung setzt sie selbst (keine `CURRENT_TIMESTAMP`-Defaults), als UTC-Text fester Breite (`2006-01-02T15:04:05.000000000Z`). Dadurch funktionieren Vergleiche direkt in SQL. * **Tokens:** Gespeichert wird nur der SHA-256-Hash. Schema (Stand Migration v1): ```sql -- Mandanten & Abonnements CREATE TABLE tenants ( id TEXT PRIMARY KEY, name TEXT NOT NULL, email TEXT NOT NULL, tier TEXT NOT NULL DEFAULT 'community', max_routes INTEGER NOT NULL DEFAULT 5, allowed_domains TEXT NOT NULL, -- JSON-Array: ["*.firma.de", "shop.de"] valid_until DATETIME NOT NULL, -- Ablaufdatum des Vertrags / Abos status TEXT NOT NULL DEFAULT 'active', -- active, suspended_payment, quarantined, expired created_at DATETIME NOT NULL, -- von der Anwendung gesetzt (UTC-Text) updated_at DATETIME NOT NULL ); -- Registrierte Agenten / Knoten CREATE TABLE nodes ( id TEXT PRIMARY KEY, tenant_id TEXT NOT NULL REFERENCES tenants(id) ON DELETE CASCADE, hostname TEXT NOT NULL, public_key TEXT NOT NULL UNIQUE, -- Ed25519 Public Key des Agenten last_seen DATETIME NOT NULL, ip_address TEXT NOT NULL, status TEXT NOT NULL DEFAULT 'online' -- online, offline, drained ); CREATE INDEX nodes_tenant_id ON nodes(tenant_id); -- Einmalige Enrollment-Tokens CREATE TABLE enrollment_tokens ( token_hash TEXT PRIMARY KEY, tenant_id TEXT NOT NULL REFERENCES tenants(id) ON DELETE CASCADE, expires_at DATETIME NOT NULL, used INTEGER NOT NULL DEFAULT 0 ); CREATE INDEX enrollment_tokens_tenant_id ON enrollment_tokens(tenant_id); ``` --- ## 5. Anwendungsmodell (Application Model) Das gesamte System ist als **Single-Binary-Architektur** in Go implementiert: ```text sultan ├── server # Führt Registry, Stream-Hub, Policy-Engine & Traefik-Provider aus ├── agent # Führt Docker-/File-Watcher aus und verbindet sich zum Server └── token # CLI-Tools zur Schlüsselverwaltung, Enrollment- & Lizenzausstellung ``` ### 5.1 Agenten-Subsysteme 1. **Watcher Engine:** * **Docker Engine:** Lauscht am `/var/run/docker.sock` via Docker Events API. Filtert nach Labels mit Präfix `traefik.`. * **File Provider:** Überwacht Verzeichnis `/etc/sultan.d/*.conf` via Inotify auf Konfigurationsdateien im INI/YAML-Format. 2. **State Serializer:** * Extrahiert Services, Host-Ports und Routen. * Injiziert automatisch die Ziel-IP (LAN-IP oder NetBird-IP) in die Server-URL-Definitionen für Traefik. 3. **Transport Engine:** * Verwaltet den permanenten TLS-Stream mit 45s-Keepalive. * Führt automatischen Reconnect mit exponentiellem Backoff durch. ### 5.2 Server-Subsysteme 1. **Stream Hub:** * Hält offene Sockets aller Agents im RAM. * Verarbeitet State-Pushes und führt Dead-Node-Detection durch (Timeout: 90s). 2. **Dynamic Config Aggregator:** * Führt die flachen Traefik-Labels aller aktiven Knoten zusammen. * Wandelt die Labels in das verschachtelte Traefik-JSON-Format um. * Stellt `GET /v1/traefik-config` bereit. 3. **Policy & Interception Engine:** * **Sperrung bei Zahlungsverzug:** Modifiziert den Traefik-Router auf einen internen Redirect zu einer Bezahlseite (`HTTP 402 / Payment Required`). * **Notfall-Wartung:** Schlägt das Backend fehl oder meldet der Agent `service_down`, liefert Traefik eine statische Statusseite mit `Retry-After: 60` (`HTTP 503`). --- ## 6. Überwachung, Lizenzfristen & Alerting (Checkmk-Integration) Um zu verhindern, dass Kunden-Instanzen bei Ablauf von Quartals- oder Jahresabonnements unerwartet in den Wartungsmodus fallen, implementiert der Sultan-Server Schnittstellen für **Checkmk** und externe Alerting-Pipelines. ### 6.1 Checkmk Local Check Protocol Der Server stellt einen internen Management-Endpunkt bereit: `GET /metrics/checkmk` (oder auslesbar über ein lokales Checkmk-Agent-Plugin-Script `/usr/lib/check_mk_agent/local/sultan_licenses`). Das Ausgabeformat entspricht der nativen Checkmk Local-Check-Syntax: ```text # Syntax: # 0 = OK, 1 = WARN, 2 = CRIT, 3 = UNKNOWN 0 "Sultan_Tenant_kunde_schmidt" days_left=74;30;14 OK - Abo aktiv bis 2026-12-15 (74 Tage verbleibend) 1 "Sultan_Tenant_meier_gmbh" days_left=12;30;14 WARN - Abo laeuft in 12 Tagen ab! Verlaengerung erforderlich. 2 "Sultan_Tenant_alt_ag" days_left=0;30;14 CRITICAL - Abo seit 1 Tagen abgelaufen! Status: suspended_payment ``` ### 6.2 Schwellenwerte & Alarmierungskaskade * **30 Tage vor Ablauf:** Warnung im Checkmk-Dashboard (Monitoring-Status: `WARN`). * **14 Tage vor Ablauf:** Kritischer Alert (`CRIT`). Automatischer E-Mail-Dispatch / Ticket-Erstellung an Kunden und Admin: *„Abo-Verlängerung erforderlich – bitte Rechnung begleichen“*. * **Tag 0 (Ablaufzeitpunkt):** * Status wechselt in SQLite auf `expired`. * Traefik leitet Domain auf Informations-Landingpage um. * Checkmk triggert Alarm: `CRITICAL - Service offline geschaltet`. --- ## 7. Referenzkonfigurationen ### 7.1 Compose-Setup: Ingress-Knoten ```yaml services: traefik: image: traefik:v3.1 container_name: traefik-ingress restart: unless-stopped network_mode: host command: - "--providers.http.endpoint=http://127.0.0.1:8080/v1/traefik-config" - "--providers.http.pollInterval=3s" - "--entrypoints.web.address=:80" - "--entrypoints.web.http.redirections.entryPoint.to=websecure" - "--entrypoints.web.http.redirections.entryPoint.scheme=https" - "--entrypoints.websecure.address=:443" - "--certificatesresolvers.dns-resolver.acme.dnschallenge=true" - "--certificatesresolvers.dns-resolver.acme.dnschallenge.provider=rfc2136" volumes: - ./acme.json:/etc/traefik/acme.json sultan-server: image: sultan:latest container_name: sultan-server restart: unless-stopped command: ["sultan", "server", "--data-dir=/var/lib/sultan"] ports: - "8443:8443" # Agent Inbound (TLS Stream) - "127.0.0.1:8080:8080" # Traefik Config Provider & Checkmk Metrics volumes: - ./sultan-data:/var/lib/sultan # sultan.db, server.key (0600), server.crt – server.key sichern! ``` ### 7.2 Compose-Setup: Kunden-Host (Backend mit Docker) ```yaml services: sultan-agent: image: sultan:latest container_name: sultan-agent restart: unless-stopped command: - "sultan" - "agent" - "--server=https://ingress.dein-netz.de:8443" - "--token=sltn_enroll_." # Ausgabe von `sultan token` volumes: - /var/run/docker.sock:/var/run/docker.sock:ro - ./agent-data:/var/lib/sultan # node.key (0600) und known_servers – persistent halten! kunde-wordpress: image: wordpress:latest restart: unless-stopped labels: - "traefik.enable=true" - "traefik.http.routers.wp.rule=Host(`kunde.de`) || Host(`www.kunde.de`)" - "traefik.http.routers.wp.entrypoints=websecure" - "traefik.http.routers.wp.tls=true" - "traefik.http.routers.wp.tls.certresolver=dns-resolver" - "traefik.http.middlewares.wp-www.redirectregex.regex=^https?://kunde\\.de/(.*)" - "traefik.http.middlewares.wp-www.redirectregex.replacement=https://www.kunde.de/$${1}" - "traefik.http.middlewares.wp-www.redirectregex.permanent=true" - "traefik.http.routers.wp.middlewares=wp-www" - "traefik.http.services.wp.loadbalancer.server.port=80" ``` --- ## 8. Architekturentscheidungen (Entscheidungslog) | Datum | Entscheidung | Begründung | |---|---|---| | 2026-09-30 | Traefik bezieht die Konfiguration per **HTTP-Provider (Pull)** von `/v1/traefik-config`; kein Docker-Socket-Nachbau. | Gleichwertiger Traefik-Provider; ein Socket-Nachbau wäre fragil. Remote-Docker-Provider scheidet aus (Root-Zugriff auf Kunden-Hosts, eingehende Ports, nur ein Endpunkt). | | 2026-09-30 | Labels → Traefik-Konfiguration: Router/Services typisiert, **Middleware-Optionen als unveränderte Label-Strings** durchgereicht; nicht unterstützte Labels (TCP/UDP, unbekannte Attribute) werden abgelehnt statt ignoriert. Nur mit `traefik.enable=true`. | Traefik parst Middleware-Werte beim Einlesen wie Labels; Sultan muss nicht jeden Middleware-Typ kennen. | | 2026-09-30 | Server→Agent-Stream als **SSE**; Agent→Server über eigene signierte Requests. | Das Keepalive `:\n\n` ist SSE-Syntax; SSE ist proxy- und HTTP/1.1-tauglich. | | 2026-10-01 | Tenant-Status **`expired`** als vierter gültiger Wert. | Abschnitt 6.2 setzt ihn bei Ablauf. | | 2026-10-01 | SQLite über **`modernc.org/sqlite`**. | Kein cgo, statisches Single Binary. | | 2026-10-01 | **Ed25519-Request-Signatur in jedem Tier**, auch `community`. | Kein ungeschützter Homelab-Modus; einheitliches Sicherheitsniveau. | | 2026-10-01 | Authentifizierung sperrt nur `quarantined`; übrige Sperren über Routing-Policy. | Agent braucht den Kanal weiterhin (Lease, Reaktivierung). | | 2026-10-01 | **Kein Klartext für Agent-Verkehr**: TLS 1.3 only, Signer nur für `https`, Verifier nur mit TLS. | Signaturen und Labels dürfen nie unverschlüsselt übertragen werden. | | 2026-10-01 | **Token-Format `sltn_enroll_.`**, Pinning mit geprüftem Erstkontakt statt blindem TOFU. | Schließt die Man-in-the-Middle-Lücke beim Erstkontakt (3.4). Entscheidet zugleich den früheren Widerspruch `sltn_token_` vs. `sltn_enroll_`. | | geplant | Signierte Server-Events; geordneter Zertifikatswechsel; optionale Root-CA. | Zweite Sicherheitsschicht neben dem TLS-Pin; Betrieb ohne Aussperren. |